Definition
Konsent

Konsent schreibt sich mit „t“. Konsent, nicht Konsens. Der Unterschied klingt klein, ist aber groß:
Konsens fragt: Sind alle dafür?
Konsent fragt: Gibt es einen schwerwiegenden, begründeten Einwand?
Das verändert alles. Es geht nicht mehr darum, dass alle begeistert sind — das ist meistens ohnehin eine Illusion. Es geht darum, dass niemand sagen muss: So geht das nicht. Einwände sind im Konsent keine Störung, sondern Information. Sie machen Vorschläge besser, decken blinde Flecken auf und schützen davor, Entscheidungen über Menschen hinweg zu treffen. Wer Bedenken hat, benennt sie. Wer keine hat, gibt den Weg frei.
Konsent ist damit mehr als ein Abstimmungsverfahren. Es ist eine Haltung: Radikal auf Augenhöhe.
Und was ist dialogische Entscheidungsfindung (dEf)?
Auf konsent.one wird aus Konsent die dialogische Entscheidungsfindung (dEf): eine sozialarbeiterische Zuspitzung für Beratung, Teams, Moderation und Hilfeplanung. dEf nimmt ernst, dass Soziale Arbeit oft in asymmetrischen Beziehungen stattfindet — und dass Beteiligung schnell behauptet ist, bevor sie wirklich eingelöst wird.
Darum gehören vier Dinge zusammen: Spannung, Vorschlag, Einwand und Vereinbarung. Jede Anweisung kann als Vorschlag formuliert werden. Jede Entscheidung kann Raum für Einwände lassen. Und jede Vereinbarung muss so konkret werden, dass sie im Alltag trägt.
dEf geht noch einen Schritt weiter und fragt: Was passiert, wenn Vereinbarungen wiederholt nicht halten? Die dialogische Konsequenzenfolge ist dafür kein Strafsystem, sondern ein vorher vereinbartes Klärungsverfahren. Sie gehört nicht klassisch zum Konsent — macht dEf aber für die Soziale Arbeit praktischer, weil Entscheidungen nicht bei der Vereinbarung enden.
Quellen
- Roerick, J. (2022). Konsent-Entscheidungsfindung in der Sozialen Arbeit [Working Paper, Alice-Salomon-Hochschule Berlin]. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.20405958
- Roerick, J. (2026, 9. März). Konsent als Haltung. joelroerick.com. https://joelroerick.com/blog/2026/03/konsent-als-haltung
- Roerick, J. (2026). Dialogische Entscheidungsfindung in der Sozialen Arbeit – eine persönliche Einführung [Essay]. konsent.berlin / figshare. https://doi.org/10.6084/m9.figshare.32969573
- Roerick, J. (2026). Soziokratie, Konsent und dialogische Entscheidungsfindung [Working Paper]. konsent.berlin / figshare. https://doi.org/10.6084/m9.figshare.32969576
- Roerick, J. (2026). Konsequent handeln, ohne zu bestrafen. Die dialogische Konsequenzenfolge für wiederholt gebrochene Vereinbarungen in der Sozialen Arbeit [Working Paper]. konsent.berlin / figshare. https://doi.org/10.6084/m9.figshare.32969582