Kurzform
Dialogische Entscheidungsfindung, kurz dEf, ist eine Art, gemeinsam tragfähige Entscheidungen zu treffen. Aus einer Spannung entsteht ein Vorschlag, Einwände werden gehört und integriert, am Ende steht eine Vereinbarung.
Worum es geht
dEf ist keine freundliche Mehrheitsabstimmung. Sie verschiebt die Leitfrage:
Nicht: Wer ist dafür?
Sondern: Gibt es einen schwerwiegenden Einwand, der zeigt, dass der Vorschlag so nicht tragfähig ist?
Damit wird Widerstand nicht übergangen, sondern als Information genutzt. Einwände helfen, Vorschläge zu verbessern, Grenzen sichtbar zu machen und Verantwortung zu teilen.
Grundablauf
- Spannung benennen.
- Vorschlag machen.
- Verständnisfragen klären.
- Reaktionen hören.
- Einwände sammeln.
- Einwände integrieren.
- Entscheidung oder nächsten Klärungsschritt vereinbaren.
Nicht jeder Prozess braucht alle Schritte. Für einfache Entscheidungen reichen oft wenige Schritte; für sensible Themen lohnt sich der vollständige Ablauf.
Einsatz
dEf eignet sich für Teams, Gruppen, Beratung, Hilfeplanung, Kursentwicklung und moderierte Klärungsprozesse. Entscheidend ist, dass Beteiligung real ist: Menschen dürfen verstehen, vorschlagen, einwenden und an der tragfähigen Lösung mitarbeiten.
Abgrenzung
dEf ist verwandt mit Konsent und soziokratischer Entscheidungsfindung, wird hier aber sozialarbeiterisch zugeschnitten: Machtunterschiede, institutionelle Rahmen, Schutzaufträge, Rollen und Widerspruchsrechte müssen sichtbar bleiben.
Quellenbasis
Diese Karte stützt sich auf eigene veröffentlichte Texte und auf Literatur, die dort verwendet wird.
Eigene Veröffentlichungen
Entscheiden, ohne zu übergehen
Dialogische Entscheidungsfindung (dEf): Theoretische Grundlagen einer evidenznahen Methode
Dialog als Praxis gemeinsamen Verstehens
Konsent-Entscheidungsfindung in der Sozialen Arbeit
Daraus verwendete Literatur
Bockelbrink, B., Priest, J. & David, L. (2019). Soziokratie 3.0 - Ein Praxisleitfaden.
Buck, J. & Villines, S. (2017). We the people: Consenting to a deeper democracy (2. Aufl.). Sociocracy.info.
Butler, C. T. & Rothstein, A. (1987). On conflict and consensus. Food Not Bombs Publishing.
Paulus, G., Schrotta, S. & Visotschnig, E. (2022). Systemisches Konsensieren (6. Aufl.). Danke-Verlag.
Rau, T. J. & Koch-Gonzalez, J. (2018). Many voices one song. Sociocracy For All.
Slade, M. (2017). Implementing shared decision making in routine mental health care. World Psychiatry, 16(2), 146-153.
