Auf Basis von Bengel & Lyssenko (2012)
Die folgende Darstellung fasst auf Basis von Bengel & Lyssenko (2012) die dort beschriebenen psychologischen Schutzfaktoren im Erwachsenenalter zusammen. Sie orientiert sich an den im Band ausgewiesenen Faktoren und nennt die Quelle am Ende vollständig.
Übersicht: Psychologische Schutzfaktoren im Erwachsenenalter
(nach Kasten 4, Bengel & Lyssenko, 2012, S. 45)
- Positive Emotionen (S. 45–48)
- Optimismus (S. 48–50)
- Hoffnung (S. 50–54)
- Selbstwirksamkeitserwartung (S. 54–58)
- Selbstwertgefühl (S. 58–61)
- Kontrollüberzeugungen (S. 61–65)
- Kohärenzgefühl (S. 65–69)
- Hardiness (Widerstandsfähigkeit) (S. 69–73)
- Religiosität und Spiritualität (S. 73–78)
- Coping (S. 78–82)
- Soziale Unterstützung (S. 82–92)
Beschreibung der einzelnen Schutzfaktoren
Positive Emotionen
Positive Emotionen umfassen wiederkehrende Gefühle wie Freude, Interesse, Zufriedenheit oder Zuversicht. Bengel und Lyssenko beschreiben sie als psychologische Ressource, die nicht nur subjektives Wohlbefinden erhöht, sondern auch langfristig adaptive Bewältigungsprozesse unterstützt. Positive Emotionen erweitern kognitive und behaviorale Handlungsspielräume und können so zur Regeneration nach Belastungen beitragen (paraphrasiert nach Bengel & Lyssenko, 2012, S. 45–48).
Optimismus
Optimismus wird als generalisierte Erwartung beschrieben, dass zukünftige Ereignisse überwiegend positiv verlaufen werden. Die Autor:innen betonen, dass optimistische Menschen Belastungen eher als vorübergehend einschätzen und dadurch ausdauernder und gesundheitsförderlicher handeln. Optimismus wirkt insbesondere als Puffer gegenüber Stress und depressiver Symptomatik (paraphrasiert nach Bengel & Lyssenko, 2012, S. 48–50).
Hoffnung
Hoffnung unterscheidet sich vom Optimismus dadurch, dass sie stärker handlungsbezogen ist. Sie umfasst sowohl Zielorientierung als auch die wahrgenommene Fähigkeit, Wege zur Zielerreichung zu finden. Bengel und Lyssenko zeigen, dass Hoffnung insbesondere in Situationen hoher Belastung mit besserer psychischer Anpassung und geringerer Hoffnungslosigkeit verbunden ist (paraphrasiert nach Bengel & Lyssenko, 2012, S. 50–54).
Selbstwirksamkeitserwartung
Selbstwirksamkeitserwartung bezeichnet die Überzeugung, aufgrund eigener Kompetenzen schwierige Anforderungen bewältigen zu können. Sie gilt als zentraler Schutzfaktor, da sie sowohl die Initiierung als auch die Aufrechterhaltung gesundheitsbezogenen Verhaltens unterstützt. Personen mit hoher Selbstwirksamkeit reagieren aktiver und lösungsorientierter auf Stressoren (paraphrasiert nach Bengel & Lyssenko, 2012, S. 54–58).
Selbstwertgefühl
Das Selbstwertgefühl beschreibt die grundlegende Bewertung der eigenen Person. Ein stabiles Selbstwertgefühl geht mit geringerer Vulnerabilität für depressive Symptome und höherer emotionaler Stabilität einher. Bengel und Lyssenko verweisen darauf, dass Selbstwert sowohl direkt als auch indirekt über Copingprozesse gesundheitsförderlich wirkt (paraphrasiert nach Bengel & Lyssenko, 2012, S. 58–61).
Kontrollüberzeugungen
Kontrollüberzeugungen betreffen die Frage, ob Menschen Ereignisse eher als selbst beeinflussbar (internale Kontrolle) oder als fremdbestimmt (externale Kontrolle) erleben. Internale Kontrollüberzeugungen sind mit aktiverem Umgang mit Belastungen und besserer psychischer Gesundheit verbunden, während stark externale Überzeugungen das Risiko von Hilflosigkeit erhöhen (paraphrasiert nach Bengel & Lyssenko, 2012, S. 61–65).
Kohärenzgefühl
Das Kohärenzgefühl beschreibt eine grundlegende Lebensorientierung, die sich aus den drei Komponenten Verstehbarkeit, Bewältigbarkeit und Sinnhaftigkeit zusammensetzt. Im Theoriekapitel definieren Bengel und Lyssenko das Kohärenzgefühl nach Antonovsky wie folgt:
„Das Kohärenzgefühl ist ‚eine globale Orientierung, die das Ausmaß ausdrückt, in dem jemand ein durchdringendes, überdauerndes und dennoch dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, dass erstens die Anforderungen aus der inneren oder äußeren Erfahrenswelt im Verlauf des Lebens strukturiert, vorhersagbar und erklärbar sind und dass zweitens die Ressourcen verfügbar sind, die nötig sind, um den Anforderungen gerecht zu werden. Und drittens, dass diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Investition und Engagement verdienen’”
(Antonovsky 1993a, S. 12; Übersetzung durch Franke und Broda; zit. nach Bengel & Lyssenko, 2012, S. 16)
Ein starkes Kohärenzgefühl erleichtert die flexible Nutzung vorhandener Ressourcen und wirkt damit als zentraler Schutzfaktor (paraphrasiert nach Bengel & Lyssenko, 2012, S. 65–69).
Hardiness (Widerstandsfähigkeit)
Hardiness umfasst die Dimensionen Commitment, Control und Challenge. Menschen mit hoher Hardiness erleben Belastungen eher als Herausforderung denn als Bedrohung. Bengel und Lyssenko beschreiben Hardiness als dispositionsnahen Schutzfaktor, der insbesondere bei chronischem Stress gesundheitsförderlich wirkt (paraphrasiert nach Bengel & Lyssenko, 2012, S. 69–73).
Religiosität und Spiritualität
Religiosität und Spiritualität können als Sinn- und Bedeutungsressourcen fungieren. Sie bieten Deutungsrahmen für Leid und Krisen und können soziale Einbindung fördern. Die Autor:innen weisen darauf hin, dass die gesundheitsförderliche Wirkung stark kontext- und inhaltsabhängig ist (paraphrasiert nach Bengel & Lyssenko, 2012, S. 73–78).
Coping
Coping bezeichnet kognitive und behaviorale Strategien zur Bewältigung von Stress. Als protektiv gelten insbesondere problemorientierte und emotionsregulierende Strategien. Vermeidendes Coping ist dagegen häufiger mit ungünstigen gesundheitlichen Verläufen verbunden (paraphrasiert nach Bengel & Lyssenko, 2012, S. 78–82).
Soziale Unterstützung
Soziale Unterstützung umfasst emotionale, instrumentelle und informationelle Hilfe durch andere Menschen. Bengel und Lyssenko beschreiben soziale Unterstützung als einen der robustesten Schutzfaktoren, da sie sowohl direkt entlastend wirkt als auch andere Schutzfaktoren stärkt, etwa Selbstwirksamkeit und Kohärenzgefühl (paraphrasiert nach Bengel & Lyssenko, 2012, S. 82–92).
Literatur
Bengel, J., & Lyssenko, L. (2012). Resilienz und psychologische Schutzfaktoren im Erwachsenenalter: Stand der Forschung zu psychologischen Schutzfaktoren von Gesundheit im Erwachsenenalter (Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, Band 43). Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
Welter-Enderlin, Rosmarie (2010): Resilienz und Krisenkompetenz: Kommentierte Fallgeschichten, Heidelberg: Carl Auer.
