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Begriff · Einordnung

Dritter Sozialraum nach Dörner

Der dritte Sozialraum bezeichnet Nachbarschaft als anschaulichen Beziehungs- und Verantwortungsraum zwischen Privatheit und Öffentlichkeit.

Kurzform

Der dritte Sozialraum ist bei Dörner der Sozialraum der Nachbarschaft: ein zwischen Privatheit und Öffentlichkeit liegender, anschaulich erlebbarer Beziehungs- und Verantwortungsraum, in dem die dort lebenden Menschen einander solidarisch wahrnehmen und Hilfe bürgerschaftlich mittragen.

Ausführlich

Dörner unterscheidet den dritten Sozialraum vom ersten Sozialraum des Privaten und vom zweiten Sozialraum des Öffentlichen. Er beschreibt ihn als Sozialraum der Nachbarschaft: einen territorial begrenzten, aber nicht bloß geografischen Raum, in dem Menschen als Nachbar:innen füreinander sichtbar, erreichbar und verantwortlich werden. Entscheidend ist nicht die Adresse an sich, sondern dass Nachbarschaft als gemeinsamer Erfahrungsraum entsteht, in dem auch hilfebedürftige, alte, chronisch kranke oder psychisch beeinträchtigte Menschen dazugehören.

Für Dörner ist dieser Raum ein „Wir-Raum“: eine Zone zwischen dem konkreten Anderen und der anonymen Gesellschaft. Seine Solidarität beruht auf asymmetrischer Gegenseitigkeit: Wer geben kann, gibt Zeit, Aufmerksamkeit, praktische Unterstützung oder Geld; wer Hilfe braucht, soll bekommen, was er oder sie braucht. Der dritte Sozialraum ist deshalb Wohn- und Lebensraum, aber auch eine kleinste Einheit demokratischer Selbstverwaltung und bürgerschaftlich organisierter Hilfe.

Seitenbeleg

  • Begriff und Grundbestimmung als „dritter Sozialraum der Nachbarschaft“: Dörner 2007, S. 92.
  • Einordnung zwischen erstem Sozialraum des Privaten und zweitem Sozialraum des Öffentlichen sowie als „Wir-Raum“: Dörner 2007, S. 92 f.
  • Territorial begrenzte Solidarität und asymmetrische Gegenseitigkeit: Dörner 2007, S. 93.
  • Eigenarten: territoriale Verantwortung, Einbezug aller im Territorium lebenden und hingehörenden Menschen, anschaulich erlebbarer Erfahrungsraum: Dörner 2007, S. 94.
  • Nachbarschaft als kleinste Einheit demokratischer Selbstverwaltung sowie als Wohn- und Lebensraum: Dörner 2007, S. 96.

Quelle

Dörner, K. (2007). Leben und sterben, wo ich hingehöre: Dritter Sozialraum und neues Hilfesystem. Neumünster: Paranus.

Verknüpfungen

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