Inhalt
One-to-Ones — auch schreibbar als One2ones — sind 1:1-Kontakte bzw. „Vier-Augen-Kontakte ohne Schreibtisch“ und gelten als die „Geheimwaffe des Community Organizing“ (Früchtel & Budde, 2006, S. 214). Es sind kurze, gezielte Einzelgespräche, mit denen Fachkräfte der Gemeinwesenarbeit ein Netzwerk an Schlüsselpersonen im Stadtteil aufbauen.
Wer ist beteiligt?
Genau zwei Personen — daher „Vier-Augen-Kontakt“: die Fachkraft der Gemeinwesenarbeit (im Kiezmachen: die Kiezmoderator:in) und eine Bürger:in bzw. mögliche Schlüsselperson aus dem Stadtteil (Früchtel & Budde, 2006, S. 213 f.). One-to-Ones sind kein Gruppenformat; das Netzwerk entsteht durch viele einzelne dieser Gespräche.
Grundidee
Entscheidend ist nicht, wen man kennt, sondern wen man kennenlernt — und dass face-to-face mehr bewirkt als PR oder organisierte Versammlungen und Aktionen (Früchtel & Budde, 2006, S. 214, mit Verweis auf Ralf Brands „Einzelhändlerstrategie“, Brand 1995, S. 15). Über One-to-Ones lassen sich Dominoeffekte im Stadtteil erzielen: Ein Kontakt führt zum nächsten.
Ansatzpunkte finden sich mitten im Alltag: eigene Besorgungen im Stadtteil, Friseur- und Ladenbesuche, Kneipenbesuche, die Brotzeit am Büdchen statt in der Kantine. Mögliche Schlüsselpersonen sind ganz unterschiedliche Menschen — die Rentnerin von nebenan, die über alles Bescheid weiß, der Pfarrer mit seinen Verbindungen, Geschäftsleute, Handwerker:innen, Banken oder Polizist:innen (Früchtel & Budde, 2006, S. 213 f.).
Wie funktioniert es?
Ein One-to-One dauert nur etwa 30 Minuten und arbeitet auf zwei Ebenen (Früchtel & Budde, 2006, S. 214):
Beziehungsebene: Schnell eine Sympathie- und Vertrauensbeziehung aufbauen, an die man später wieder anschließen kann. Gelungen ist der Kontakt, wenn das Gegenüber denkt: „Das war ein gutes Gespräch. Die war interessiert an mir. Sie hat Fragen gestellt, die einem nicht jeden Tag gestellt werden, aber es waren wichtige Fragen.“
Inhaltsebene: In kürzester Zeit die Neugier, die Überzeugungen, die Kraft, die Talente und die Verbindungen (Connections) des unbekannten Gegenübers herausbekommen. Leitfragen: Wer ist dieser Mensch? Wer sind seine Held:innen? Was bewegt ihn? Worüber ärgert er/sie sich? Was sind seine Träume für seine Nachbarschaft? Danach lässt sich entscheiden: Ist das ein:e Leader:in? Lohnt sich ein Follow-up?
Stolpersteine
Für das berufliche Selbstverständnis deutscher Sozialarbeiter:innen ist die Methode höchst ungewöhnlich: Der Profi kommt auf Bürger:innen zu und will etwas — normalerweise ist es umgekehrt. Die Hemmschwelle dieser ungewöhnlichen Situation muss überwunden werden; Früchtel und Budde zitieren das Gefühl, sich „wie ein Staubsaugervertreter“ vorzukommen (Früchtel & Budde, 2006, S. 214).
Bedeutung für Kiezmachen
Im Kiezmachen dienen One-to-Ones dem Aufbau des Willkommensnetzes: Über sie werden Schlüsselpersonen, mögliche Ortspat:innen und Orte mit Willkommenspotenzial im Kiez gefunden — nicht über Flyer oder Öffentlichkeitsarbeit, sondern über echte Beziehungen, Gespräch für Gespräch.
Verwandte Notizen
Quellen
Früchtel, F., & Budde, W. (2006). Wie funktioniert fallunspezifische Ressourcenarbeit? Sozialraumorientierung auf der Ebene von Netzwerken. In W. Budde, F. Früchtel & W. Hinte (Hrsg.), Sozialraumorientierung. Wege zu einer veränderten Praxis (S. 201–218). VS Verlag für Sozialwissenschaften. (One-to-Ones: S. 213 f.)
