Methode
Blank-Page-Curriculum
Ein Heft mit leeren Seiten wird zu deinem eigenen Lernplan. Du hältst fest, was du lernen möchtest und welche Schritte du gehst.
Ein eigener Lernplan
Ein Curriculum ist ein Lehrplan. Ein üblicher Lehrplan legt vorher fest, was alle lernen sollen. Beim Blank-Page-Curriculum beginnt der Plan mit leeren Seiten.
Am Anfang stehen Fragen an die Person:
- Was tue ich bereits?
- Was möchte ich tun?
- Was bin ich bereit zu lernen?
Aus den Antworten entsteht Schritt für Schritt ein eigener Lernweg. Ziele, Interessen und Fragen der Person sind wichtig. Die Person kann sich auch selbst Aufgaben stellen.
Ein einfaches Heft
Das Material ist absichtlich einfach: ein Heft mit leeren Seiten. Darin hält die Person Schritte, Beobachtungen, Notizen und Fragen fest.
Das Schreiben und Sammeln gehört selbst zum Lernen. Im Heft werden Fortschritte sichtbar. So kann die Person besser erkennen, was sie schon gelernt hat. Sie übernimmt mehr Verantwortung für den eigenen Lernweg.
Welche Haltung dahintersteht
Der Ansatz orientiert sich an Recovery. Gemeint ist ein persönlicher Weg zu einem guten und selbstbestimmten Leben. Hoffnung, vorhandene Möglichkeiten und kleine Fortschritte sind wichtig. Dazu gehört eine Lernbeziehung, die über längere Zeit trägt.
Menschen bringen unterschiedliche Fähigkeiten und Interessen mit. Sie können sich unterschiedlich lange konzentrieren. Auch ihr Bedarf an Unterstützung ist verschieden. Gerade dann kann ein selbst gestalteter Lernplan helfen. Ein starrer Plan für alle passt hier oft nicht.
Wo der Ansatz eingesetzt werden kann
Das Blank-Page-Curriculum ist bei der Arbeit im Garten entstanden. Es lässt sich aber auch an anderen Orten nutzen.
Es passt in Kurse, Arbeitsprojekte und Projekte im Stadtteil. Es passt in die Eingliederungshilfe und in Peer-Angebote. Bei Peer-Angeboten lernen Menschen mit ähnlichen Erfahrungen miteinander.
Entscheidend ist: Menschen wollen selbstbestimmt lernen. Sie begegnen einander dabei auf Augenhöhe.
Bücher und Quellen
Anthony, W. A. (1993). Recovery from mental illness: The guiding vision of the mental health service system in the 1990s. Psychosocial Rehabilitation Journal, 16(4), 11-23. https://doi.org/10.1037/h0095655
Davies, W. (2000). The RAID manual: A relentlessly positive approach in working with extreme behaviour (3. Aufl.). APT Press.
Leamy, M., Bird, V., Le Boutillier, C., Williams, J. & Slade, M. (2011). Conceptual framework for personal recovery in mental health: Systematic review and narrative synthesis. British Journal of Psychiatry, 199(6), 445-452. https://doi.org/10.1192/bjp.bp.110.083733
Rapp, C. A. & Goscha, R. J. (2012). The strengths model: A recovery-oriented approach to mental health services (3. Aufl.). Oxford University Press.
