Theorie
Positive psychische Gesundheit
Psychische Gesundheit bedeutet mehr als die Abwesenheit einer Krankheit. Marie Jahoda beschreibt sechs Bereiche eines guten und selbstbestimmten Lebens.
Mehr als keine Beschwerden
Marie Jahoda stellte 1958 ihr Konzept der positiven psychischen Gesundheit vor. Für sie ist Gesundheit nicht nur das Gegenteil von Krankheit. Menschen sollen sich wohlfühlen, eigene Möglichkeiten entwickeln und ihr Leben mitgestalten können.
Sie beschreibt dafür sechs Bereiche.
Sich selbst annehmen
Ein Mensch kann sich selbst mit einer grundsätzlich positiven Haltung sehen. Er kann sich als Person annehmen. Jahoda nennt dies die Einstellung zur eigenen Person.
Wachsen und sich entwickeln
Menschen können Fähigkeiten und Möglichkeiten entfalten. Sie können sich weiterentwickeln und ihr eigenes Potenzial nutzen. Dazu gehört auch die Frage, wie sie als ganze Person wachsen können.
Mit inneren Widersprüchen umgehen
Jahoda verwendet hier den Begriff Integration. Gemeint ist, dass verschiedene Seiten der Persönlichkeit zusammenpassen können. Ein Mensch kann auch mit inneren Konflikten und widersprüchlichen Gefühlen umgehen. Das eigene Erleben soll dadurch zusammenhängender werden.
Selbstbestimmt handeln
Autonomie bedeutet, eigene Entscheidungen treffen und nach ihnen handeln zu können. Dabei geht es auch darum, nicht allein durch äußere Zwänge bestimmt zu werden.
Die Wirklichkeit wahrnehmen
Ein Mensch braucht einen angemessenen Blick auf seine Umgebung und die eigene Situation. Jahoda spricht von Realitätswahrnehmung. Es geht darum, die tatsächlichen Bedingungen möglichst realistisch einzuschätzen.
Mit der Umgebung umgehen
Menschen müssen Anforderungen aus ihrer Umgebung bewältigen können. Zugleich sollen sie ihre Umgebung aktiv mitgestalten können. Jahoda nennt dies Umweltbewältigung.
Die Bedeutung des Ansatzes
Zusammen beschreiben die sechs Bereiche Gesundheit als einen aktiven Zustand. Wohlbefinden und Selbstbestimmung gehören dazu. Jahodas Ansatz ist eine wichtige Grundlage für die heutige Positive Psychologie. Er hilft auch dabei, über psychische Gesundheit zu sprechen, ohne nur auf Krankheiten und Störungen zu schauen.
Bücher und Quellen
Jahoda, M. (1958). Current Concepts of Positive Mental Health. Basic Books.
Diener, E. & Seligman, M. E. P. (2004). Beyond Money: Toward an economy of well-being. Psychological Science in the Public Interest, 5(1). https://doi.org/10.1111/j.0963-7214.2004.00501001.x
Maddux, J. E. & Lopez, S. J. (2015). Deconstructing the illness ideology and constructing an ideology of human strengths and potential in clinical psychology. In S. Joseph (Hrsg.), Positive Psychology in Practice (2. Aufl., S. 411-428). Wiley. https://doi.org/10.1002/9781118996874.ch25
Resnick, S. G. & Leddy, M. A. (2015). Building recovery-oriented service systems through positive psychology. In S. Joseph (Hrsg.), Positive Psychology in Practice (2. Aufl., S. 695-710). Wiley. https://doi.org/10.1002/9781118996874.ch40
Resnick, S. G. & Rosenheck, R. A. (2006). Recovery and positive psychology: Parallel themes and potential synergies. Psychiatric Services, 57(1), 120-122. https://doi.org/10.1176/appi.ps.57.1.120
Slade, M. (2010). Mental illness and well-being: The central importance of positive psychology and recovery approaches. BMC Health Services Research, 10, 26. https://doi.org/10.1186/1472-6963-10-26
