Theorie
Psychologische Schutzfaktoren im Erwachsenenalter
Psychologische Schutzfaktoren können Erwachsene im Umgang mit Belastungen stärken. Bengel und Lyssenko beschreiben elf solcher Faktoren.
Worum es in der Übersicht geht
Bengel und Lyssenko fassten 2012 Forschung zu psychologischen Schutzfaktoren im Erwachsenenalter zusammen. Solche Faktoren können Gesundheit und Widerstandskraft unterstützen. Widerstandskraft wird auch Resilienz genannt.
Die Übersicht ihres Buches steht auf Seite 45. Die einzelnen Faktoren werden auf den Seiten 45 bis 92 erläutert. Hier werden alle elf in einfacher Sprache erklärt.
Positive Gefühle
Freude, Interesse, Zufriedenheit und Zuversicht können sich wiederholt einstellen. Sie können das Wohlbefinden verbessern. Sie können auch längerfristig helfen, mit Belastungen umzugehen.
Solche Gefühle können mehr Gedanken und Handlungsmöglichkeiten zugänglich machen. Das kann die Erholung nach einer Belastung unterstützen. Dieser Bereich wird auf den Seiten 45 bis 48 behandelt.
Optimismus
Optimismus ist die allgemeine Erwartung, dass sich die Zukunft überwiegend gut entwickeln kann. Optimistische Menschen betrachten Belastungen eher als etwas, das wieder vorbeigeht.
Das kann helfen, ausdauernd zu handeln und auf die eigene Gesundheit zu achten. Optimismus kann Belastungen durch Stress und depressive Beschwerden abfedern. Die Beschreibung steht auf den Seiten 48 bis 50.
Hoffnung
Hoffnung ist stärker auf eigenes Handeln bezogen als Optimismus. Ein Mensch hat Ziele. Er traut sich außerdem zu, Wege zu diesen Zielen zu finden.
Besonders bei hoher Belastung hängt Hoffnung mit einem besseren Umgang mit der Situation zusammen. Sie kann mit weniger Hoffnungslosigkeit verbunden sein. Die Beschreibung steht auf den Seiten 50 bis 54.
Vertrauen in die eigene Wirkung
Der Fachbegriff lautet Selbstwirksamkeitserwartung. Gemeint ist die Überzeugung: Mit meinen Fähigkeiten kann ich auch schwierige Aufgaben bewältigen.
Dieses Vertrauen kann helfen, gesundheitsförderliches Verhalten zu beginnen und beizubehalten. Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit reagieren auf Belastungen eher aktiv. Sie suchen eher nach Lösungen. Der Bereich steht auf den Seiten 54 bis 58.
Selbstwertgefühl
Selbstwertgefühl beschreibt, wie ein Mensch sich selbst grundsätzlich bewertet. Ein stabiles Selbstwertgefühl kann mit weniger Anfälligkeit für depressive Beschwerden und größerer emotionaler Stabilität zusammenhängen.
Es kann die Gesundheit direkt unterstützen. Es kann auch indirekt helfen, weil ein Mensch dadurch besser mit Belastungen umgeht. Der Bereich steht auf den Seiten 58 bis 61.
Überzeugungen über Kontrolle
Hier geht es darum, wie viel Einfluss ein Mensch auf Ereignisse zu haben glaubt. Fachleute sprechen von Kontrollüberzeugungen.
Bei innerer oder internaler Kontrolle erlebt jemand: Ich kann selbst etwas beeinflussen. Das hängt mit einem aktiveren Umgang mit Belastungen und besserer psychischer Gesundheit zusammen.
Bei äußerer oder externaler Kontrolle erlebt jemand: Andere Menschen oder äußere Umstände bestimmen alles. Wenn diese Überzeugung sehr stark ist, kann das Gefühl von Hilflosigkeit zunehmen. Die Beschreibung steht auf den Seiten 61 bis 65.
Kohärenzgefühl
Dieser Begriff beschreibt eine grundlegende Orientierung im Leben. Nach Antonovsky gehören drei Seiten dazu:
- Verstehbarkeit: Was ich innerlich und um mich herum erlebe, erscheint mir geordnet, erklärbar und zumindest teilweise vorhersehbar.
- Bewältigbarkeit: Ich vertraue darauf, dass hilfreiche Fähigkeiten und Unterstützung verfügbar sind, wenn ich sie brauche.
- Sinnhaftigkeit: Anforderungen können es wert sein, dass ich mich mit ihnen beschäftige und mich dafür einsetze.
Dieses Vertrauen kann über längere Zeit tragen. Es kann sich zugleich weiterentwickeln. Ein starkes Kohärenzgefühl hilft, vorhandene Hilfen und Fähigkeiten passend zur Situation zu nutzen. Das Zitat zur Erklärung steht im Buch auf Seite 16. Die ausführliche Darstellung findet sich auf den Seiten 65 bis 69.
Hardiness: eine widerstandsfähige Haltung
Hardiness ist ein englischer Begriff für eine eher beständige persönliche Haltung. Sie umfasst drei Teile:
- Commitment: sich auf Aufgaben und das eigene Leben einlassen.
- Control: eigenen Einfluss wahrnehmen.
- Challenge: Veränderungen auch als Herausforderung betrachten.
Belastungen wirken dann eher wie etwas, mit dem man sich auseinandersetzen kann. Sie werden nicht nur als Bedrohung erlebt. Die Haltung kann besonders bei länger anhaltendem Stress die Gesundheit unterstützen. Sie wird auf den Seiten 69 bis 73 beschrieben.
Religiosität und Spiritualität
Glaube und Spiritualität können helfen, Sinn zu finden. Sie können einen Rahmen geben, um Leid und Krisen zu verstehen. Sie können auch Zugehörigkeit zu anderen Menschen fördern.
Ihre Wirkung hängt aber stark von den jeweiligen Inhalten und Lebensbedingungen ab. Religion oder Spiritualität sind nicht unabhängig von ihrer konkreten Form immer gesundheitsförderlich. Die Beschreibung steht auf den Seiten 73 bis 78.
Coping: Belastungen bewältigen
Coping bezeichnet Wege, mit Stress umzugehen. Dazu gehören Gedanken und Handlungen.
Besonders hilfreich können Wege sein, die ein Problem bearbeiten. Auch der angemessene Umgang mit eigenen Gefühlen kann schützen. Wer Belastungen vor allem vermeidet, erlebt dagegen häufiger ungünstige gesundheitliche Entwicklungen. Die Beschreibung steht auf den Seiten 78 bis 82.
Soziale Unterstützung
Andere Menschen können auf verschiedene Arten helfen:
- Emotional: Sie geben Zuwendung, Verständnis oder Trost.
- Praktisch: Sie helfen bei Aufgaben oder stellen benötigte Mittel bereit.
- Durch Informationen: Sie erklären etwas oder geben hilfreiches Wissen weiter.
Soziale Unterstützung gehört zu den besonders gut belegten Schutzfaktoren. Sie kann direkt entlasten. Sie kann außerdem andere Faktoren stärken, etwa das Vertrauen in die eigene Wirkung und das Kohärenzgefühl. Dieser Bereich wird auf den Seiten 82 bis 92 behandelt.
Bücher und Quellen
Bengel, J., & Lyssenko, L. (2012). Resilienz und psychologische Schutzfaktoren im Erwachsenenalter: Stand der Forschung zu psychologischen Schutzfaktoren von Gesundheit im Erwachsenenalter (Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, Band 43). Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
Weiterführend: Welter-Enderlin, R. (2010). Resilienz und Krisenkompetenz: Kommentierte Fallgeschichten. Carl-Auer.
