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Begriff

Recovery

Recovery ist der persönliche Weg zu einem möglichst guten und selbstbestimmten Leben. Dieser Weg kann auch mit weiter bestehenden Beschwerden möglich sein.

Ein eigener Weg

Recovery ist ein englisches Wort. Hier beschreibt es einen persönlichen Veränderungsprozess nach oder mit psychischen Krisen und Erkrankungen.

Es geht um ein Leben mit Hoffnung, Sinn und eigenen Entscheidungen. Beziehungen sind dabei wichtig. Der Weg verläuft oft nicht geradeaus. Beschwerden können weiter bestehen. Recovery bedeutet deshalb nicht automatisch, dass alle Symptome verschwinden.

Ein Begriff mit vielen Bedeutungen

In der Fachwelt ist Recovery sehr verbreitet. Trotzdem wird das Wort nicht überall gleich verstanden. Forschende weisen darauf hin, dass eine klare gemeinsame Definition fehlt. Auch persönliche Erfahrungen lassen sich nur schwer vollständig in wissenschaftliche Sprache übersetzen.

Das englische Wort wird zudem in vielen anderen Bereichen verwendet:

  • In der Medizin kann es die Genesung eines Menschen meinen.
  • Im Recht kann es bedeuten, dass ein früherer Zustand wiederhergestellt wird. Dafür gibt es den Fachbegriff Naturalrestitution.
  • In der Informatik kann es um die Wiederherstellung verlorener Daten gehen.
  • Beim Recycling kann es die Rückgewinnung von Rohstoffen meinen.

Darum gibt es viele deutsche Übersetzungen: Aufschwung, Aufwärtstrend, Erholung, Gesundung, Genesung, Wiederaufnahme, Wiedergewinnung, Wiedererlangung und Rückgewinnung.

Im medizinischen und psychiatrischen Zusammenhang liegt „Genesung“ als Übersetzung nahe. Dieses Wort erfasst aber nicht alle Bedeutungen von Recovery.

Was ein gutes Leben ist, bestimmt sich persönlich

Menschen verstehen unter einem zufriedenen Leben Unterschiedliches. Deshalb ist es schwer, eine genaue Beschreibung zu finden, die trotzdem für alle gilt.

Zwei Beschreibungen werden in Fachtexten besonders oft verwendet. Sie helfen, die Bedeutung von Recovery zu erklären, ohne für jeden Menschen denselben Weg festzulegen.

Die Beschreibung von William Anthony

William Anthony beschrieb Recovery 1993 als einen sehr persönlichen und einzigartigen Prozess. Dabei können Menschen ihre Einstellungen, Werte, Gefühle und Ziele verändern. Auch Fähigkeiten und Rollen im Leben können sich verändern.

Eine Erkrankung kann das Leben stark erschüttern. Recovery bedeutet bei Anthony, über diese Folgen hinauszuwachsen und neue Bedeutungen und Ziele zu entwickeln.

Ein Mensch kann ein erfülltes und hoffnungsvolles Leben führen und etwas beitragen, obwohl Einschränkungen durch die Erkrankung bleiben. Es geht also um die Gestaltung des Lebens und nicht allein um das Verschwinden von Krankheit.

Anthonys Beschreibung wird sowohl in wissenschaftlichen Veröffentlichungen als auch in politischen Grundsatzpapieren häufig aufgegriffen.

Die kurze Beschreibung

Ein Grundsatzpapier des South London and Maudsley NHS Foundation Trust fasst Recovery besonders knapp zusammen: so gut wie möglich leben.

Auch diese kurze Formulierung wird in der wissenschaftlichen Literatur verwendet. Sie lässt offen, wie dieses gute Leben im Einzelnen aussieht. Gerade darin liegt der persönliche Charakter von Recovery.

Bücher und Quellen

Amering, M., & Schmolke, M. (2012). Recovery. Das Ende der Unheilbarkeit (5. Aufl.). Psychiatrie Verlag.

Anthony, W. A. (1993). Recovery from mental illness: The guiding vision of the mental health service system in the 1990s. Psychosocial Rehabilitation Journal, 16(4), 11–23. https://doi.org/10.1037/h0095655

Bird, V., Leamy, M., Tew, J., Le Boutillier, C., Williams, J., & Slade, M. (2014). Fit for purpose? Validation of a conceptual framework for personal recovery with current mental health consumers. Australian & New Zealand Journal of Psychiatry, 48(7), 644–653. https://doi.org/10.1177/0004867413520046

Deegan, P. E. (1988). Recovery: The lived experience of rehabilitation. Psychosocial Rehabilitation Journal, 11(4), 11–19. https://doi.org/10.1037/h0099565

Gühne, U., Weinmann, S., Riedel-Heller, S. G., & Becker, T. (2019). S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen. S3-Praxisleitlinien in Psychiatrie und Psychotherapie (2. Aufl.). Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-662-58284-8

Merriam-Webster. (o. J.). Recovery. In Merriam Webster Online. Abgerufen 24. Februar 2025, von https://www.merriam-webster.com/dictionary/recovery

Pons. (o. J.). Recovery. In Pons Online. Abgerufen 25. Februar 2025, von https://de.pons.com/%C3%BCbersetzung-2/englisch-deutsch/recovery

Slade, M. (2009). Personal recovery and mental illness: A guide for mental health professionals (1. Aufl.). Cambridge University Press.

Slade, M., Leamy, M., Bacon, F., Janosik, M., Le Boutillier, C., Williams, J., & Bird, V. (2012). International differences in understanding recovery: Systematic review. Epidemiology and Psychiatric Sciences, 21(4), 353–364. https://doi.org/10.1017/S2045796012000133

Slade, M., & Wallace, G. (2017). Recovery and mental health. In M. Slade, L. Oades, & A. Jarden (Hrsg.), Wellbeing, Recovery and Mental Health (S. 24–34). Cambridge University Press.

South London and Maudsley NHS Foundation Trust. (2010). Social Inclusion and Recovery (SIR) Strategy 2010–2015. SLaM Partners. https://www.slamrecoverycollege.co.uk/uploads/2/6/5/2/26525995/sir_strategy_2010-2015_-_final_version1.pdf