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Methode

Selbstbewusste Kommunikation

Selbstbewusste Kommunikation hilft, Wünsche und Bedenken klar auszusprechen. Du bleibst respektvoll und beziehst die Sicht der anderen Person ein.

Klar und respektvoll sprechen

Selbstbewusste Kommunikation bedeutet: Du sagst deutlich, was du brauchst, was dich beschäftigt und was sich ändern soll. Dabei achtest du auf deine Grenzen und auf die Grenzen der anderen Person.

Du schweigst dein Anliegen nicht einfach weg. Du greifst die andere Person aber auch nicht an oder wertest sie ab.

Das hier beschriebene Modell hat fünf Schritte. Sie helfen, schwierige Gespräche vorzubereiten und zu führen.

Woher das Modell stammt

Das Modell wird im Master Resilience Training der US-Armee vermittelt. Die Abkürzung dafür ist MRT. An der Entwicklung war das Positive Psychology Center der University of Pennsylvania wesentlich beteiligt.

MRT nutzt Materialien des Penn Resilience Program und weitere Ansätze zu Resilienz und Positiver Psychologie.

Die fünf Schritte heißen auf Englisch Identify, Describe, Express, Ask und List. Die Anfangsbuchstaben ergeben IDEAL.

Diese Abkürzung stammt aus den MRT-Trainingsmaterialien. Sie steht nicht im veröffentlichten Fachaufsatz von Reivich, Seligman und McBride aus dem Jahr 2011.

Warum hier „selbstbewusst“ steht

In englischen Quellen heißt die Fähigkeit assertive communication. Sie gehört zur Tradition des Assertiveness Training. Im Deutschen wird dafür oft Selbstsicherheits- oder Selbstbehauptungstraining gesagt.

Die deutsche Ausgabe von Seligmans Buch Flourish spricht von „affirmativer Kommunikation“. Das kann missverständlich sein. „Affirmativ“ klingt nach Bejahen und Bestätigen. Zu dieser Methode gehören aber auch Kritik, Bedenken und Wünsche nach Veränderung.

Hier heißt sie deshalb selbstbewusste Kommunikation: klar, respektvoll, sicher im eigenen Anliegen und aufmerksam für Grenzen.

Drei Arten zu sprechen

Bei einer passiven Art werden eigene Bedürfnisse nicht ausgesprochen. Konflikte werden vermieden. Die Person passt sich stark an und hält sich zurück. Kurzfristig kann dadurch Ruhe entstehen. Langfristig können Enttäuschung, Ohnmacht und Schäden an der Beziehung folgen.

Bei einer aggressiven Art werden eigene Bedürfnisse auf Kosten anderer durchgesetzt. Vorwürfe, Schuldzuweisungen und Abwertung sind häufig. Kurzfristig setzt sich eine Person vielleicht durch. Langfristig können Vertrauen verloren gehen, Gegenwehr entstehen und Beziehungen leiden.

Bei einer selbstbewussten Art werden eigene Bedürfnisse klar und respektvoll gesagt. Die Sicht der anderen Person wird einbezogen. Beide suchen nach einer Lösung. Das schafft Klarheit und gegenseitigen Respekt. Eine dauerhafte Veränderung wird wahrscheinlicher, und die Beziehung kann erhalten bleiben.

Die passende Reaktion hängt auch von der Situation ab. Das Ziel ist, die eigene Position sichtbar zu machen und zugleich das Gegenüber ernst zu nehmen.

Schritt 1: Erkennen

Der englische Begriff ist Identify.

Kläre zuerst deine eigene Wahrnehmung: Was genau ist das Problem? Worum geht es dir?

Ein Beispiel: „Ich merke, dass mich etwas an unserer Zusammenarbeit bei der Dienstplanung beschäftigt.“

Schritt 2: Beschreiben

Der englische Begriff ist Describe.

Beschreibe möglichst genau, was beobachtbar geschehen ist. Vermeide voreilige Bewertungen, Vorwürfe und Deutungen.

Ein Beispiel: „In den letzten drei Wochen habe ich dreimal kurzfristig Schichten übernommen. Ursprünglich waren sie anders geplant.“

Schritt 3: Ausdrücken

Der englische Begriff ist Express.

Sage, welche Bedenken, Gefühle oder Bedürfnisse du hast. Du beschreibst deine persönliche Sicht. Du stellst sie nicht als die einzig richtige Sicht dar.

Ein Beispiel: „Das belastet mich zunehmend. Ich kann meine eigenen Termine kaum noch planen.“

Schritt 4: Erfragen

Der englische Begriff ist Ask.

Frage nach der Sicht der anderen Person. So öffnest du das Gespräch für eine Veränderung, die beide mittragen können.

Ein Beispiel: „Wie siehst du die Situation? Gibt es Gründe, die ich noch nicht kenne? Können wir gemeinsam überlegen, wie wir das anders gestalten?“

Schritt 5: Vorteile benennen

Der englische Begriff ist List.

Beschreibe, was eine Veränderung für beide Seiten verbessern könnte. Das kann helfen, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten.

Ein Beispiel: „Wenn wir verlässlicher planen, hätten wir beide mehr Planungssicherheit und weniger Stress.“

Unterschied zum Mitfreuen bei guten Nachrichten

Im MRT werden selbstbewusste Kommunikation und Active-Constructive Responding als zwei verschiedene Fähigkeiten behandelt. Die Abkürzung für die zweite Fähigkeit ist ACR.

Selbstbewusste Kommunikation passt zu Problemen, Konflikten und Veränderungswünschen. Du möchtest klar und respektvoll Einfluss nehmen. Du sagst deine Position, fragst die andere Person und suchst mit ihr eine Lösung. Die fachliche Herkunft liegt im Selbstsicherheitstraining.

ACR passt zu positiven Mitteilungen. Du reagierst aufmerksam und interessiert auf ein gutes Erlebnis der anderen Person. Das Ziel ist, die Beziehung durch echtes Mitfreuen zu stärken. ACR stammt aus der Forschung darüber, wie das Teilen guter Erfahrungen deren Wirkung verstärkt.

Die beiden Fähigkeiten ergänzen sich: eine für gute Nachrichten, die andere für schwierige Anliegen.

Wo das Modell helfen kann

Das Modell eignet sich, wenn du ein konkretes Anliegen oder Problem ansprechen willst. Es kann helfen, Grenzen deutlich zu machen oder eine Veränderung anzuregen.

Mögliche Situationen sind Team- und Arbeitskonflikte, Beratungsgespräche oder ein gemeinsamer Rückblick unter Kolleginnen und Kollegen.

Du kannst damit auch schwierige Gespräche vorbereiten. Zum Beispiel mit unterstützten Personen, Vorgesetzten oder Menschen aus anderen Organisationen, mit denen du zusammenarbeitest.

Worauf du achten solltest

Sachlich zu beschreiben braucht Übung. Schon beim Beschreiben können unbemerkt Bewertungen oder Deutungen auftauchen.

Besonders wichtig ist echtes Interesse an der Sicht des Gegenübers. Ohne dieses Interesse wird das Modell leicht zu einer Technik, mit der eine Person sich nur durchsetzt.

Die fünf Schritte sind eine Orientierung. Du musst keinen Text auswendig aufsagen. Sie sollen helfen, deine Gedanken zu ordnen.

Ungleiche Macht berücksichtigen

Nicht alle Gesprächspartner haben gleich viel Macht. Das gilt zum Beispiel zwischen Fachkraft und unterstützter Person oder zwischen Mitarbeitenden und Vorgesetzten.

Diese Unterschiede beeinflussen ein Gespräch. Eine abhängige Person kann die Methode nicht immer genauso nutzen wie jemand mit mehr Macht.

In der Eingliederungshilfe, Beratung und Teamarbeit muss deshalb geprüft werden: Welche Bedingungen ermöglichen echte Begegnung auf Augenhöhe? Welche verhindern sie?

Was fachlich belegt ist

Selbstsicherheitstraining gehört zur Verhaltenstherapie und zum Training sozialer Fähigkeiten. Es steht in der Tradition von Wolpe und Lazarus. Der zugängliche MRT-Fachaufsatz von 2011 nennt diese Herkunft allerdings nicht ausdrücklich.

Eine neuere Übersichtsarbeit von Speed und anderen beschreibt Selbstsicherheitstraining als ein gut erforschtes Verfahren, das zu wenig beachtet wird.

Davon ist das konkrete IDEAL-Schema zu unterscheiden. Die fünf Schritte wurden nach der zugänglichen Fachlage nicht als eigenes Modell unabhängig auf ihre Wirksamkeit geprüft. Ihre fachliche Grundlage ergibt sich aus dem MRT-Gesamtprogramm und aus früheren Ansätzen zur Selbstbehauptung.

Am besten lässt sich IDEAL deshalb als praktische Orientierung für Gespräche verstehen. Es ist auch nicht eindeutig belegt, dass Seligman diese fünf Schritte allein als neues Modell entwickelt hat. Belegt ist seine Beteiligung am weiteren MRT- und PRP-Zusammenhang.

Bücher und Quellen

Gable, S. L., Reis, H. T., Impett, E. A. & Asher, E. R. (2004). What do you do when things go right? The intrapersonal and interpersonal benefits of sharing positive events. Journal of Personality and Social Psychology, 87(2), 228–245.

Reivich, K. J., Seligman, M. E. P. & McBride, S. (2011). Master resilience training in the U.S. Army. American Psychologist, 66(1), 25–34.

Seligman, M. E. P. (2011). Flourish: A Visionary New Understanding of Happiness and Well-being. New York: Free Press. [dt.: Flourish – Wie Menschen aufblühen. München: Kösel, 2012.]

Speed, B. C., Goldstein, B. L. & Goldfried, M. R. (2018). Assertiveness training: A forgotten evidence-based treatment. Clinical Psychology: Science and Practice, 25(1), e12216.

Wolpe, J. & Lazarus, A. A. (1966). Behavior Therapy Techniques: A Guide to the Treatment of Neuroses. New York: Pergamon Press.