Theorie
Transaktionsanalyse (Berne)
Die Transaktionsanalyse hilft, wiederkehrende Muster in Gesprächen zu verstehen. Sie unterscheidet drei innere Haltungen, aus denen Menschen denken, fühlen und sprechen können.
Ein Modell von Eric Berne
Eric Berne lebte von 1910 bis 1970. Er entwickelte die Transaktionsanalyse, kurz TA. Wichtige Bücher dazu erschienen 1961 und 1964. Das Modell beschreibt Persönlichkeit und Kommunikation. Es betrachtet auch wiederkehrende Spiele und Lebensmuster, die Skripte genannt werden.
Ein Grundgedanke lautet: Menschen handeln aus unterschiedlichen Ich-Zuständen. Ein Ich-Zustand verbindet Denken, Fühlen und Verhalten zu einem Muster. Berne unterscheidet drei Grundformen.
Das Eltern-Ich
Hier wirken Regeln, Bewertungen und Verhaltensweisen, die ein Mensch übernommen hat. Ein Teil ist kritisch, ein anderer fürsorglich.
Typische Sätze aus dem kritischen Eltern-Ich sind: „Sie müssen das so machen“ oder „Das gehört sich nicht“. Der fürsorgliche Anteil zeigt sich dagegen in Zuwendung und Fürsorge.
Das Erwachsenen-Ich
Hier prüft ein Mensch die aktuelle Situation. Er stellt Fragen, vergleicht Möglichkeiten und wägt ab. Das Gespräch bleibt sachlich und auf die Wirklichkeit im Hier und Jetzt bezogen.
Dabei muss sich niemand über oder unter die andere Person stellen.
Das Kindheits-Ich
Hierzu gehören Gefühle, Spontaneität und früh gelernte Anpassungsmuster. Das Modell unterscheidet unter anderem drei Anteile:
- Der freie Anteil ist spontan.
- Der angepasste Anteil fügt sich unter und versucht, Erwartungen zu erfüllen.
- Der rebellische Anteil reagiert trotzig oder fordernd.
Keiner der drei Ich-Zustände ist von sich aus schlecht. Entscheidend ist, ob die jeweilige Haltung zur Situation passt.
Wie ein Gesprächsmuster bestehen bleibt
Eine Transaktion ist die kleinste Einheit eines Gesprächs: Eine Person gibt einen Anstoß, die andere antwortet. Beide tun dies aus einem bestimmten Ich-Zustand.
Wenn die Antwort zum erwarteten Muster passt, heißt die Transaktion komplementär oder parallel. Zum Beispiel spricht eine Person aus dem kritischen Eltern-Ich. Die andere antwortet angepasst aus dem Kindheits-Ich. Das kann lange so weitergehen. Das Gefälle zwischen beiden bleibt bestehen.
Wie ein Muster unterbrochen wird
Eine gekreuzte Transaktion durchbricht das erwartete Muster. Antwortet die zweite Person sachlich aus dem Erwachsenen-Ich, passt dies nicht zur erwarteten Unterordnung. Das Gespräch muss sich neu ordnen.
Wer beim Erwachsenen-Ich bleibt, lädt die andere Person dazu ein, ebenfalls sachlich und ohne Überordnung zu sprechen.
Die Übertragung auf Hilfebeziehungen
Die folgende Anwendung ist eine eigene Übertragung auf die dialogische Entscheidungsfindung. Sie ist keine Aussage von Berne selbst.
In Hilfebeziehungen liegt ein bestimmtes Muster oft nahe: Die Fachkraft oder Einrichtung übernimmt das Eltern-Ich. Die unterstützte Person wird in das Kindheits-Ich gedrängt.
Die Person kann sich dann anpassen, lieb sein und nicht widersprechen. Sie kann aber auch fordern, drohen und etwas durchsetzen wollen. In dieser Deutung halten beide Reaktionen das Gefälle aufrecht. Beide bleiben im erwarteten Muster von Eltern-Ich und Kindheits-Ich.
Augenhöhe von beiden Seiten
Die Basiskurse zur dialogischen Entscheidungsfindung betonen: Augenhöhe betrifft beide Seiten. Auch eine Person mit weniger Macht kann versuchen, aus dem Erwachsenen-Ich zu sprechen. Sie kann eine Spannung benennen, einen Vorschlag machen oder einen begründeten Einwand formulieren.
Damit muss sie nicht warten, bis die andere Seite Augenhöhe anbietet. Ihre sachliche Reaktion kann die andere Person einladen, ebenfalls ins Erwachsenen-Ich zu wechseln.
Vorschlag, Einwand und Vereinbarung geben diesem Gespräch eine Form. In der Sprache der TA passen sie zur Kommunikation aus dem Erwachsenen-Ich.
Die Grenze dieser Übertragung
TA beschreibt innere und kommunikative Muster. Sie erklärt nicht die tatsächliche Macht einer Einrichtung. Hausrecht, Dokumentation oder rechtliche Befugnisse verschwinden nicht durch eine andere Gesprächshaltung.
Das reale Gefälle bleibt deshalb wichtig. Es kann aber eher besprochen und ausgehandelt werden, wenn die Kommunikation es nicht zusätzlich verstärkt.
Bücher und Quellen
Berne, E. (1961). Transactional Analysis in Psychotherapy: A Systematic Individual and Social Psychiatry. Grove Press.
Berne, E. (1964). Games People Play: The Psychology of Human Relationships. Grove Press.
Harris, T. A. (1969). I'm OK - You're OK. Harper & Row.
Stewart, I. & Joines, V. (2012). TA Today: A new introduction to transactional analysis (2. Aufl.). Lifespace Publishing.
