Begriff
Unterstützte Entscheidungsfindung
Bei unterstützter Entscheidungsfindung bekommt ein Mensch Hilfe beim eigenen Entscheiden. Die Unterstützung ersetzt seine Entscheidung nicht.
Hilfe geben, ohne die Entscheidung zu übernehmen
Manche Entscheidungen sind schwer zu verstehen oder zu überblicken. Unterstützung kann helfen, die Möglichkeiten zu erklären und der Person zuzuhören.
Wichtig ist dabei: Die betroffene Person bleibt selbst an der Entscheidung beteiligt und hat tatsächlichen Einfluss. Andere sollen nicht einfach über sie hinweg entscheiden.
Wenn andere die Entscheidung an ihrer Stelle treffen, heißt das ersetzende Entscheidung. Unterstützte Entscheidungsfindung verfolgt den entgegengesetzten Anspruch.
Wie dEf dabei helfen kann
Die dialogische Entscheidungsfindung, kurz dEf, macht unterstütztes Entscheiden zu einem Grundprinzip. Dafür braucht es verständliche Wahlmöglichkeiten, genügend Hilfe und wirksamen Einfluss auf Entscheidungen über das eigene Leben.
Das Verfahren kann diesen Anspruch in konkrete Schritte übersetzen:
- Ein Vorschlag wird so erklärt, dass die Beteiligten ihn verstehen können.
- Einwände werden ernst genommen und bearbeitet.
- Die Beteiligten prüfen gemeinsam, ob ihre Vereinbarung funktioniert.
Gemeinsam entscheiden ist eine ethische Aufgabe
Im Recovery-Ansatz wird gemeinsames Entscheiden auch „Shared Decision Making“ genannt. Recovery beschreibt den persönlichen Weg zu einem guten Leben nach oder mit seelischen Belastungen.
Drake und Deegan betonen dabei den Anspruch: Es geht um meinen Körper, mein seelisches Leben und meine Entscheidung. Fachkräfte sollen gemeinsames Entscheiden deshalb als ethische Verpflichtung verstehen.
Gleichzeitig können Fragen nach Schutz und nach dem Wohl einer Person entstehen. Der Deutsche Ethikrat hat dieses Spannungsfeld zwischen Fürsorge und Selbstbestimmung beschrieben. Wie dEf damit in konkreten Situationen arbeiten will, erklären die Grundlagen von dEf.
Bücher und Quellen
Deutscher Ethikrat. (2018). Hilfe durch Zwang? Professionelle Sorgebeziehungen im Spannungsfeld von Wohl und Selbstbestimmung. Stellungnahme vom 1. November 2018.
Drake, R. E., & Deegan, P. E. (2009). Shared decision making is an ethical imperative. Psychiatric Services, 60(8), 1007. https://doi.org/10.1176/ps.2009.60.8.1007
Slade, M. (2017). Implementing shared decision making in routine mental health care. World Psychiatry, 16(2), 146–153. https://doi.org/10.1002/wps.20412
