CHIME+ bezeichnet die Integration des CHIME-Frameworks (Leamy et al., 2011) mit den Wohlbefindenskonzepten aus Seligmans PERMA-Modell und dessen in Flourish (Seligman, 2012) aufgegriffenen Vertiefungen — darunter Character Strengths (Peterson & Seligman, 2004) und Growth Mindset (Dweck, 2006), die dort nicht als PERMA-Elemente definiert werden — sowie den psychologischen Schutzfaktoren nach Bengel & Lyssenko (2012). Diese Synthese verbindet recovery-orientierte Perspektiven mit etablierten Konzepten aus Positiver Psychologie und Resilienzforschung.
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| CHIME-Thema | Zugeordnete PERMA- & Flourish-Konzepte | Schutzfaktoren (Bengel & Lyssenko, 2012) |
|---|---|---|
| C – Connectedness | R – Relationships | Soziale Unterstützung |
| H – Hope (Hope & Optimism) | P – Positive Emotion · Optimism · Resilience · Growth Mindset | Hoffnung; Optimismus; Positive Emotionen |
| I – Identity | Character Strengths · Physical Health/Vitality | Selbstwertgefühl; Kohärenzgefühl |
| M – Meaning | M – Meaning · E – Engagement | Religiosität und Spiritualität |
| E – Empowerment | E – Engagement · A – Accomplishment | Selbstwirksamkeitserwartung; Kontrollüberzeugungen; Coping; Hardiness |
CHIME+-Themen – Synthese (CHIME + PERMA/Flourish + Schutzfaktoren nach Bengel & Lyssenko, 2012)
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| CHIME-Thema | Synthese-Bedeutung (CHIME + PERMA/Flourish + Schutzfaktoren) |
|---|---|
| C – Connectedness | Zugehörigkeit und tragfähige Beziehungen als aktive Ressource: Recovery wird durch soziale Einbettung, Peer-/Community-Bezug und verlässliche Unterstützung ermöglicht (CHIME). In PERMA entspricht das dem Beziehungsfokus (Relationships) als eigenständiger Wohlbefindensbereich. Psychologisch wird das im Erwachsenenalter vor allem über soziale Unterstützung als Schutzfaktor getragen: emotionale, instrumentelle und informationelle Unterstützung, die Belastungen puffert und Handlungsfähigkeit stabilisiert. |
| H – Hope & Optimism | Hoffnung als Aufwärtsbewegung trotz Rückschlägen: nicht nur „sich besser fühlen“, sondern eine tragende kognitiv-volitionale Erwartung, dass Entwicklung möglich ist (CHIME). PERMA ergänzt dies über Positive Emotion (die Hope affektiv stabilisiert und verstärkt), und Flourish über Optimismus (zuversichtliche Zukunftserwartung), Resilience (Widerstandskraft nach Rückschlägen) und Growth Mindset (Entwicklungsorientierung). Entsprechend bündeln sich hier die Schutzfaktoren Hoffnung, Optimismus und positive Emotionen: Zukunftszuversicht (auch durch zwischenmenschliche Kontakte gestützt), Zielorientierung/Wegefindung und affektive Stabilisierung, die adaptives Verhalten wahrscheinlicher machen. |
| I – Identity | Identität als nicht-defizitäres Selbstbild: Würde, Selbstachtung und Narrative jenseits von Diagnose/Rolle sowie aktiver Umgang mit Stigmatisierung und Stärkung multipler Identitäten (kulturell, ethnisch, sexuell) (CHIME). Flourish ergänzt eine Sprache für stabile persönliche Ressourcen über Character Strengths (Stärken als Identitätsanker) und Physical Health/Vitality (körperliches Wohlbefinden als Teil der Identität – nicht als medizinischer Status, sondern als gelebte Würde und Selbstbestimmung über den eigenen Körper; Recovery bedeutet, sich nicht primär über Krankheit zu definieren). Psychologisch wird diese Stabilisierung vor allem über Selbstwertgefühl (Selbstachtung) und Kohärenzgefühl (innere Stimmigkeit/Verstehbarkeit/Handhabbarkeit/Sinnbezug als integrierende Orientierung) getragen. Identität wird so zur „inneren Landkarte“, die Verhalten, Beziehungen und Entscheidungen zusammenhält. |
| M – Meaning | Sinn als Orientierung und Halt: Werte, Bedeutsamkeit und ein „Wofür“ in Krisen und im Alltag sowie stabilisierende Alltagsgestaltung und konkrete sinnstiftende Tätigkeiten (CHIME). PERMA betont Meaning als eigene Säule; zusätzlich verbindet Engagement Sinn mit gelebter Praxis (sinnvolles Tun statt abstrakter Werte). Aus Schutzfaktorenperspektive ist Religiosität und Spiritualität hier zentral, weil sie (je nach Ausprägung) Deutungsrahmen, Sinnstiftung, Hoffnungsspeicher und oft auch gemeinschaftliche Einbindung bereitstellen kann. |
| E – Empowerment | Empowerment als Agency: Selbstbestimmung, Wahlrechte, Partizipation und Machtbalance – auch strukturell (CHIME). PERMA ergänzt dies über Engagement (wirksam im Tun, Flow/Einbindung) und Accomplishment (Fortschritt/Zielerleben) – nicht als Leistungsimperativ, sondern als Rückmeldung von Wirksamkeit. Psychologisch wird Empowerment getragen durch Selbstwirksamkeitserwartung (Zutrauen), Kontrollüberzeugungen (Einflusszuschreibung), Coping (bewältigende Strategien) und Hardiness (Haltung von Commitment, Control, Challenge): zusammen ein Paket aus Handlungsspielraum, Belastbarkeit und aktiver Selbststeuerung. CHIME hebt zusätzlich die strukturelle Dimension von Empowerment hervor: nicht nur individuelle Bewältigung, sondern auch Zugang zu Ressourcen, Mitspracherechten und Machtverhältnissen auf institutioneller Ebene. CHIME betont zudem den Perspektivwechsel von Sicherheitsdenken zu Risikobereitschaft und von Problemorientierung zu Stärken-/Ressourcenorientierung. |
| Die hier dargestellte Synthese als CHIME+-Modell – die systematische Integration von CHIME-Framework, PERMA/Flourish-Konzepten und psychologischen Schutzfaktoren – ist eine eigene konzeptionelle Zusammenführung. |
Literatur
Bengel, J. & Lyssenko, L. (2012). Resilienz und psychologische Schutzfaktoren im Erwachsenenalter: Stand der Forschung zu psychologischen Schutzfaktoren von Gesundheit im Erwachsenenalter. BZgA.
Fredrickson, B. L. (2001). The role of positive emotions in positive psychology: The broaden-and-build theory of positive emotions. American Psychologist, 56(3), 218-226. https://doi.org/10.1037/0003-066X.56.3.218
Leamy, M., Bird, V., Le Boutillier, C., Williams, J. & Slade, M. (2011). Conceptual framework for personal recovery in mental health: Systematic review and narrative synthesis. British Journal of Psychiatry, 199(6), 445-452. https://doi.org/10.1192/bjp.bp.110.083733
Seligman, M. (2012). Flourish - Wie Menschen aufblühen: Die Positive Psychologie des gelingenden Lebens. Kösel.
Slade, M. (2010). Mental illness and well-being: The central importance of positive psychology and recovery approaches. BMC Health Services Research, 10, 26. https://doi.org/10.1186/1472-6963-10-26
