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Framework

CHIMEplus

CHIMEplus verbindet persönliche Recovery mit Wohlbefinden und psychologischen Schutzfaktoren. Es ist eine eigene Zusammenführung bestehender Konzepte.

Was CHIMEplus verbindet

CHIMEplus, auch CHIME+ geschrieben, führt drei Blickrichtungen zusammen:

  • CHIME beschreibt wichtige Prozesse persönlicher Recovery. Der Ansatz stammt von Leamy und ihrem Forschungsteam aus dem Jahr 2011.
  • PERMA beschreibt Wohlbefinden. Martin Seligman behandelt in seinem Buch Flourish außerdem weitere hilfreiche Konzepte.
  • Bengel und Lyssenko fassen 2012 psychologische Schutzfaktoren zusammen. Diese können beim Umgang mit Belastungen helfen.

Die Verbindung dieser Ansätze ist eine eigene gedankliche Zusammenführung. CHIMEplus ist damit nicht einfach ein weiteres bereits geprüftes Forschungsmodell. Es ordnet vorhandene Konzepte so, dass sie sich ergänzen können.

Zwei der zusätzlichen Konzepte haben eigene Ursprünge. Character Strengths, also Charakterstärken, gehen auf Peterson und Seligman von 2004 zurück. Growth Mindset, also eine Haltung des Lernens und der Entwicklung, stammt von Carol Dweck aus dem Jahr 2006. Seligman greift beide in Flourish auf. Sie sind dort aber keine zusätzlichen Teile des ursprünglichen PERMA-Modells.

C: Verbundenheit

Connectedness bedeutet Verbundenheit. Ein Mensch braucht Zugehörigkeit und Beziehungen, auf die er sich verlassen kann. Dazu gehören Gemeinschaften und der Austausch mit Peers. Peers sind Menschen mit ähnlichen Erfahrungen. Solche Beziehungen können den eigenen Recovery-Weg unterstützen.

In PERMA entspricht dem der Bereich Relationships, also Beziehungen. Gute Beziehungen tragen dort als eigener Bereich zum Wohlbefinden bei.

Der zugeordnete Schutzfaktor ist soziale Unterstützung. Sie kann auf drei Arten helfen: durch Zuwendung und Verständnis, durch praktische Hilfe und durch hilfreiche Informationen. Diese Unterstützung kann Belastungen abfedern und die eigene Handlungsfähigkeit erhalten.

H: Hoffnung und Zuversicht

Hope and Optimism bedeutet Hoffnung und Zuversicht. Hoffnung ist mehr als ein kurzzeitig angenehmes Gefühl. Eine Person hält Entwicklung für möglich. Sie will Ziele verfolgen und sucht Wege dorthin. Das kann auch nach Rückschlägen tragen.

Dazu werden vier Konzepte aus PERMA und Flourish gestellt:

  • Positive Emotion: Angenehme Gefühle können Hoffnung festigen und verstärken.
  • Optimism: Die Person erwartet, dass sich etwas gut entwickeln kann.
  • Resilience: Die Person kann sich nach Belastungen und Rückschlägen erholen.
  • Growth Mindset: Sie hält Lernen und eigene Entwicklung für möglich.

Als Schutzfaktoren werden hier Hoffnung, Optimismus und positive Gefühle eingeordnet. Gute Beziehungen können die Zuversicht für die Zukunft stärken. Ziele, erreichbare Wege und ein stabilerer Umgang mit Gefühlen können helfen, auf Schwierigkeiten passend zu reagieren.

I: Identität

Identity bedeutet Identität. Dabei geht es um ein Selbstbild, das mehr enthält als Probleme und Diagnosen. Würde, Selbstachtung und die eigene Lebensgeschichte gehören dazu.

Menschen können mehrere Identitäten zugleich haben. Dazu zählen zum Beispiel kulturelle und ethnische Zugehörigkeiten sowie Sexualität. Recovery kann dabei helfen, diese Seiten zu stärken und mit abwertenden Vorurteilen umzugehen.

Charakterstärken ergänzen diesen Blick. Eine Person kann sich anhand dessen beschreiben, was sie auszeichnet. Ihre Stärken werden so zu verlässlichen Anhaltspunkten für das eigene Selbstbild.

Auch körperliche Gesundheit und Lebenskraft werden hier zugeordnet. Die englischen Begriffe sind Physical Health und Vitality. Gemeint ist nicht nur ein medizinischer Zustand. Es geht auch darum, den eigenen Körper mit Würde zu erleben und über ihn selbst zu bestimmen. Eine Person soll sich nicht hauptsächlich über Krankheit definieren müssen.

Zwei Schutzfaktoren passen dazu:

  • Selbstwertgefühl: Ich achte mich selbst und erlebe mich als wertvoll.
  • Kohärenzgefühl: Mein Leben erscheint mir in wichtigen Teilen verständlich, bewältigbar und sinnvoll.

Identität kann damit wie eine innere Landkarte wirken. Sie hilft, das eigene Handeln, Beziehungen und Entscheidungen miteinander zu verbinden.

M: Sinn im Leben

Meaning bedeutet Sinn. Werte und bedeutsame Ziele geben Orientierung. Ein Mensch findet ein Wofür im Alltag oder in einer Krise. Dazu gehören ein stabilisierender Alltag und Tätigkeiten, die ihm etwas bedeuten.

PERMA beschreibt Sinn als eigenen Bereich. Engagement verbindet diesen Sinn mit dem Tun: Ich denke nicht nur über meine Werte nach. Ich werde in einer passenden Tätigkeit aktiv und gehe darin auf.

Als Schutzfaktoren werden hier Religiosität und Spiritualität zugeordnet. Je nach Ausprägung können sie helfen, Erfahrungen und Leid zu deuten. Sie können Sinn, Hoffnung und Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft geben. Diese Wirkung hängt von der konkreten Form des Glaubens oder der Spiritualität ab.

E: Selbstbestimmung und Handlungsmacht

Empowerment bedeutet, das eigene Leben beeinflussen zu können. Dazu gehören Wahlrechte, Beteiligung und eine faire Verteilung von Macht. Es geht also nicht allein um persönliche Stärke.

Aus PERMA passen zwei Bereiche dazu:

  • Engagement: Ich werde selbst tätig und erlebe mich als wirksam. Auch Flow kann dazugehören. Dabei gehe ich ganz in einer Tätigkeit auf.
  • Accomplishment: Ich erreiche ein Ziel oder nehme einen Fortschritt wahr.

Das Erreichen eines Ziels soll die eigene Wirkung sichtbar machen. Daraus soll keine Pflicht zu immer mehr Leistung entstehen.

Vier Schutzfaktoren ergänzen diesen Bereich:

  • Selbstwirksamkeitserwartung: Ich traue mir zu, eine Aufgabe mit meinen Fähigkeiten zu bewältigen.
  • Kontrollüberzeugungen: Ich erkenne, worauf ich Einfluss habe.
  • Coping: Ich verfüge über hilfreiche Wege, Belastungen zu bewältigen.
  • Hardiness: Ich lasse mich auf Aufgaben ein, nehme meinen Einfluss wahr und sehe Veränderungen auch als Herausforderung. Diese drei Seiten heißen Commitment, Control und Challenge.

Zusammen geht es um Handlungsspielraum, Belastbarkeit und die aktive Gestaltung des eigenen Lebens.

Auch die Bedingungen müssen passen

CHIME betont die gesellschaftliche und institutionelle Seite von Empowerment. Menschen brauchen Zugang zu Unterstützung und anderen Ressourcen. Sie brauchen Mitspracherechte und tatsächlichen Einfluss in Einrichtungen.

Der Blick soll deshalb nicht nur auf individuelle Bewältigung gerichtet sein. Auch Machtverhältnisse müssen betrachtet werden. Ebenso wichtig ist eine Haltung, die Stärken und Möglichkeiten wahrnimmt. Ein vorsichtiges Ausprobieren soll möglich sein, anstatt aus Sicherheitsdenken jede Herausforderung zu vermeiden.

Bücher und Quellen

Bengel, J. & Lyssenko, L. (2012). Resilienz und psychologische Schutzfaktoren im Erwachsenenalter: Stand der Forschung zu psychologischen Schutzfaktoren von Gesundheit im Erwachsenenalter. BZgA.

Fredrickson, B. L. (2001). The role of positive emotions in positive psychology: The broaden-and-build theory of positive emotions. American Psychologist, 56(3), 218-226. https://doi.org/10.1037/0003-066X.56.3.218

Leamy, M., Bird, V., Le Boutillier, C., Williams, J. & Slade, M. (2011). Conceptual framework for personal recovery in mental health: Systematic review and narrative synthesis. British Journal of Psychiatry, 199(6), 445-452. https://doi.org/10.1192/bjp.bp.110.083733

Seligman, M. (2012). Flourish - Wie Menschen aufblühen: Die Positive Psychologie des gelingenden Lebens. Kösel.

Slade, M. (2010). Mental illness and well-being: The central importance of positive psychology and recovery approaches. BMC Health Services Research, 10, 26. https://doi.org/10.1186/1472-6963-10-26