Methode

Dialogische Entscheidungsfindung

Worum es geht

dEf ist keine freundliche Mehrheitsabstimmung. Sie verschiebt die Leitfrage:

Nicht: Wer ist dafür?

Sondern: Gibt es einen schwerwiegenden Einwand, der zeigt, dass der Vorschlag so nicht tragfähig ist?

Damit wird Widerstand nicht übergangen, sondern als Information genutzt. Einwände helfen, Vorschläge zu verbessern, Grenzen sichtbar zu machen und Verantwortung zu teilen.

Grundablauf

  1. Spannung benennen.
  2. Vorschlag machen.
  3. Verständnisfragen klären.
  4. Reaktionen hören.
  5. Einwände sammeln.
  6. Einwände integrieren.
  7. Entscheidung oder nächsten Klärungsschritt vereinbaren.

Nicht jeder Prozess braucht alle Schritte. Für einfache Entscheidungen reichen oft wenige Schritte; für sensible Themen lohnt sich der vollständige Ablauf.

Einsatz

dEf eignet sich für Teams, Gruppen, Beratung, Hilfeplanung, Kursentwicklung und moderierte Klärungsprozesse. Entscheidend ist, dass Beteiligung real ist: Menschen dürfen verstehen, vorschlagen, einwenden und an der tragfähigen Lösung mitarbeiten.

Abgrenzung

dEf ist verwandt mit Konsent und soziokratischer Entscheidungsfindung, wird hier aber sozialarbeiterisch zugeschnitten: Machtunterschiede, institutionelle Rahmen, Schutzaufträge, Rollen und Widerspruchsrechte müssen sichtbar bleiben.

Fachlicher Hintergrund

Die Grundstruktur Vorschlag — Einwand — Vereinbarung ist aus dem Konsent abgeleitet: kein vollständiger soziokratischer Prozess, aber tragfähig für viele alltagsnahe Situationen. Die ausführliche Ausarbeitung liegt in den dEf-Grundlagen, dem dEf-Prozess und Entscheiden, ohne zu übergehen. Hilfreich ist die Unterscheidung von Entscheidungstypen: Lebensführungsentscheidungen der Klient:in, gemeinsame Vereinbarungen im Unterstützungsprozess — hier passt dEf am besten — und institutionell-rechtlich gerahmte Entscheidungen, in denen dEf nur innerhalb vorhandener Spielräume wirkt.

Literatur

Bockelbrink, B., Priest, J. & David, L. (2019). Soziokratie 3.0 - Ein Praxisleitfaden. Sociocracy 3.0. https://sociocracy30.org/guide/

Butler, C. T. & Rothstein, A. (1987). On Conflict and Consensus: A handbook on formal consensus decisionmaking. Food Not Bombs Publishing.

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Früchtel, F. & Halibrand, A.-M. (2016). Restorative Justice: Theorie und Methode für die Soziale Arbeit. Springer VS.

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Klein, S., Hughes, B. & Fleischmann, F. (2023). Der Loop-Approach: Wie du deine Organisation von innen heraus transformierst (2. Aufl.). Campus.

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