Methode
Dialogische Entscheidungsfindung
Dialogische Entscheidungsfindung hilft, gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden. Einwände werden gehört und helfen, einen Vorschlag zu verbessern.
Eine andere Frage beim Entscheiden
Dialogische Entscheidungsfindung heißt kurz dEf.
Die entscheidende Frage der Gruppe lautet: „Gibt es einen schwerwiegenden Einwand, der zeigt, dass dieser Vorschlag so nicht tragfähig ist?“
Widerstand wird dadurch zu einer wichtigen Information. Er kann helfen, den Vorschlag zu verbessern und Grenzen sichtbar zu machen. Die Beteiligten übernehmen gemeinsam Verantwortung.
Bei dEf entscheidet also nicht die Mehrheit der Stimmen.
Sieben Schritte
- Eine Spannung benennen: Was läuft nicht gut oder braucht Klärung?
- Einen Vorschlag machen.
- Fragen zum Verständnis klären.
- Reaktionen auf den Vorschlag hören.
- Einwände sammeln.
- Die Einwände in den Vorschlag einarbeiten.
- Eine Entscheidung oder den nächsten Schritt zur Klärung vereinbaren.
Nicht jede Entscheidung braucht alle sieben Schritte. Bei einfachen Fragen reichen oft wenige. Bei empfindlichen oder schwierigen Themen ist der vollständige Ablauf hilfreich.
Am Ende steht eine Vereinbarung. Wenn das noch nicht möglich ist, wird der nächste Klärungsschritt festgelegt.
Wo dEf eingesetzt werden kann
Die Methode eignet sich für Teams, Gruppen, Beratung und Hilfeplanung. Sie kann auch bei der Entwicklung von Kursen und in moderierten Klärungsgesprächen helfen.
Die Beteiligung muss dabei echt sein. Menschen müssen den Vorschlag verstehen können. Sie dürfen eigene Vorschläge machen, Einwände nennen und an einer tragfähigen Lösung mitarbeiten.
Macht und Grenzen offenlegen
dEf ist mit Konsent und mit soziokratischen Entscheidungen verwandt. Hier wird sie an die Soziale Arbeit angepasst.
Dabei bleiben Machtunterschiede, Regeln der Einrichtung und rechtliche Vorgaben sichtbar. Auch Schutzaufträge, Rollen und das Recht auf Widerspruch müssen deutlich sein.
Verschiedene Arten von Entscheidungen
Die Grundidee lautet: Vorschlag, Einwand, Vereinbarung. Sie stammt aus dem Konsent. dEf ist aber kein vollständiges soziokratisches Verfahren. Sie ist eine Anpassung für viele Alltagssituationen.
Hilfreich ist, drei Arten von Entscheidungen zu unterscheiden:
- Entscheidungen über die eigene Lebensführung. Sie gehören zur Person.
- Gemeinsame Vereinbarungen im Unterstützungsprozess. Hier passt dEf besonders gut.
- Entscheidungen, die durch Recht oder Vorgaben einer Einrichtung begrenzt sind. Hier kann dEf nur den tatsächlich vorhandenen Spielraum nutzen.
Die ausführlichen Grundlagen werden in den dEf-Texten erläutert. Weitere Darstellungen sind der dEf-Prozess und Entscheiden, ohne zu übergehen.
Bücher und Quellen
Bockelbrink, B., Priest, J. & David, L. (2019). Soziokratie 3.0 - Ein Praxisleitfaden. Sociocracy 3.0. https://sociocracy30.org/guide/
Butler, C. T. & Rothstein, A. (1987). On Conflict and Consensus: A handbook on formal consensus decisionmaking. Food Not Bombs Publishing.
Drake, R. E. & Deegan, P. E. (2009). Shared decision making is an ethical imperative. Psychiatric Services, 60(8), 1007. https://doi.org/10.1176/ps.2009.60.8.1007
Früchtel, F. & Halibrand, A.-M. (2016). Restorative Justice: Theorie und Methode für die Soziale Arbeit. Springer VS.
Herriger, N. (2020). Empowerment in der Sozialen Arbeit: Eine Einführung (6. Aufl.). Kohlhammer.
Klein, S., Hughes, B. & Fleischmann, F. (2023). Der Loop-Approach: Wie du deine Organisation von innen heraus transformierst (2. Aufl.). Campus.
Rau, T. J. & Koch-Gonzalez, J. (2018). Many Voices One Song: Gemeinsam arbeiten, gemeinsam entscheiden mit Soziokratie. Sociocracy For All.
Rosenberg, M. B. (2016). Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens (12. Aufl.). Junfermann.
Slade, M. (2017). Implementing shared decision making in routine mental health care. World Psychiatry, 16(2), 146-153. https://doi.org/10.1002/wps.20412
