Begriff

Hoffnung

Im Recovery-Kompass ist Hoffnung nicht bloßer Optimismus. Sie kann klein, zerbrechlich und vorläufig sein. Gerade deshalb ist sie fachlich zentral: Recovery beginnt nicht erst, wenn Probleme verschwunden sind, sondern wenn ein Mensch wieder erleben kann, dass Veränderung möglich ist.

Hoffnung entsteht nicht durch Druck zur Zuversicht. Sie wächst eher dort, wo Menschen sich verstanden fühlen, eigene Ziele wiederfinden, Beziehungen als tragend erleben und im Alltag kleine wirksame Schritte sehen.

Fachlicher Hintergrund

Bei Deegan ist Hoffnung der Wendepunkt des Recovery-Prozesses: In die „dunkle Nacht der Verzweiflung“ kommt „ein kleiner, zerbrechlicher Funke Hoffnung“ (Deegan, 1988, S. 13-14, eigene Übersetzung; siehe Zwischen Krise und Kontinuität). Hoffnung lässt sich gezielt stärken — unter anderem durch bedeutungsvolle Bilder und Symbole, Gespräche über Hoffnung, soziale Netzwerke, Vorbilder anderer Betroffener sowie Alltagsroutinen und realistische Ziele (Schrank et al., 2012, S. 560). Im CHIME-Framework ist hope and optimism about the future einer der fünf Recovery-Prozesse (Leamy et al., 2011, S. 448).

Literatur

Deegan, P. E. (1988). Recovery: The lived experience of rehabilitation. Psychosocial Rehabilitation Journal, 11(4), 11–19. https://doi.org/10.1037/h0099565

Leamy, M., Bird, V., Le Boutillier, C., Williams, J., & Slade, M. (2011). Conceptual framework for personal recovery in mental health: Systematic review and narrative synthesis. British Journal of Psychiatry, 199(6), 445–452. https://doi.org/10.1192/bjp.bp.110.083733

Schrank, B., Bird, V., Rudnick, A., & Slade, M. (2012). Determinants, self-management strategies and interventions for hope in people with mental disorders: Systematic search and narrative review. Social Science & Medicine, 74(4), 554–564. https://doi.org/10.1016/j.socscimed.2011.11.008