In den dEf-Texten von konsent.one ist Kontrolle kein Randthema. Auch ein formal dialogisches Verfahren kann asymmetrisch bleiben, wenn Fachkräfte Tagesordnung, Sprache, Tempo, zulässige Optionen oder die Folgen eines Neins kontrollieren.
Kontrolle verschwindet nicht dadurch, dass Beteiligung behauptet wird. Sie muss sichtbar gemacht, begründet, begrenzt und überprüft werden. Wo Schutz rechtlich oder fachlich Vorrang hat, darf das nicht als gemeinsame Entscheidung getarnt werden; wo Entscheidungen offen sind, braucht es reale Beteiligung.
Fachlicher Hintergrund
Fachlich steht dahinter die Debatte um das Doppelmandat — das Dilemma, „sowohl helfen zu wollen als auch kontrollieren zu müssen“ (Frittum, 2012, S. 28). Lutz versteht Kontrollmacht als „Grenzen setzen“ bzw. „Auseinandersetzung mit Grenzen“ (Lutz, 2011, S. 15), und auch der Empowerment-Ansatz kennt „Grenzen der Selbstbestimmung, soziale Kontrolle und ‚beschützende Intervention‘“ als sinnvoll und notwendig (Herriger, 2020, S. 247 ff.). In dieser Linie hat Kontrolle kein eigenes Mandat, sondern ist ein situativ notwendiger, mit größter Vorsicht einzusetzender Aspekt des Hilfemandats; ausgearbeitet ist das in Kontrolle als Auftrag.
Literatur
Frittum, M. (2012). Humor und sein Nutzen für SozialarbeiterInnen. Springer.
Herriger, N. (2020). Empowerment in der Sozialen Arbeit: Eine Einführung (6. Aufl.). Kohlhammer.
Lambers, H. (2020). Theorien der Sozialen Arbeit. Ein Kompendium und Vergleich (5. Aufl.). Budrich.
Lutz, R. (2011). Das Mandat der Sozialen Arbeit. VS Verlag für Sozialwissenschaften.
