Begriff
Kontrolle
Kontrolle bedeutet: Eine Person setzt Regeln oder Grenzen für eine andere Person. Das kann schützen, aber auch die Selbstbestimmung einschränken.
Auch Gespräche können kontrolliert werden
In der Sozialen Arbeit ist Kontrolle nicht immer offen zu erkennen. Ein Gespräch kann nach gemeinsamer Entscheidung aussehen. Trotzdem kann die Fachkraft vieles allein bestimmen:
- Welche Themen besprochen werden.
- Welche Sprache verwendet wird.
- Wie schnell das Gespräch läuft.
- Zwischen welchen Möglichkeiten jemand wählen darf.
- Welche Folgen ein Nein hat.
Auch ein Verfahren der dialogischen Entscheidungsfindung, kurz dEf, kann deshalb ungleich bleiben.
Kontrolle offenlegen und prüfen
Kontrolle verschwindet nicht, wenn jemand sagt: „Hier sind alle beteiligt.“ Es muss erkennbar sein, wer welche Grenzen setzt. Diese Grenzen müssen begründet, begrenzt und überprüft werden.
Manchmal hat Schutz aus rechtlichen oder fachlichen Gründen Vorrang. Dann darf eine vorgegebene Entscheidung nicht als gemeinsame Entscheidung dargestellt werden. Wo eine Entscheidung noch offen ist, brauchen die Betroffenen wirklichen Einfluss.
Helfen und zugleich Grenzen setzen
In der Fachsprache wird das Spannungsfeld zwischen Helfen und Kontrollieren „Doppelmandat“ genannt. Gemeint sind zwei Anforderungen an die Soziale Arbeit: Sie soll unterstützen und muss manchmal zugleich Grenzen setzen.
Auch der Empowerment-Ansatz erkennt an, dass Selbstbestimmung Grenzen haben kann. Kontrolle oder ein Eingreifen zum Schutz können in bestimmten Situationen nötig sein.
Der Text Kontrolle als Auftrag ordnet das so ein: Kontrolle ist kein eigenständiger Auftrag neben dem Helfen. Sie ist ein Teil der Hilfe, der in einer konkreten Situation notwendig werden kann. Sie muss mit größter Vorsicht eingesetzt werden.
Bücher und Quellen
Frittum, M. (2012). Humor und sein Nutzen für SozialarbeiterInnen. Springer.
Herriger, N. (2020). Empowerment in der Sozialen Arbeit: Eine Einführung (6. Aufl.). Kohlhammer.
Lambers, H. (2020). Theorien der Sozialen Arbeit. Ein Kompendium und Vergleich (5. Aufl.). Budrich.
Lutz, R. (2011). Das Mandat der Sozialen Arbeit. VS Verlag für Sozialwissenschaften.
