Begriff

Krise

In den Recovery-Texten von konsent.one ist Krise nicht einfach ein Symptom und nicht automatisch ein Notfall. Krise bezeichnet eine Phase, in der Menschen und Unterstützende anders handeln müssen: langsamer, strukturierter, mit mehr Schutz, aber möglichst weiterhin im Dialog.

Für den Recovery-Kompass ist die Unterscheidung wichtig: Aus Alltag kann Spannung entstehen, aus Spannung Krise, und aus Krise im Extremfall ein Notfall. Je früher Spannung und Krise verstanden werden, desto eher bleiben Wahlmöglichkeiten, Beziehung und Nachsorge erhalten.

Fachlicher Hintergrund

Sozialpsychiatrisch ist von einer Krise die Rede, wenn eine Person aufgrund von Ereignissen oder Lebensumständen ihr seelisches Gleichgewicht verliert, sich überfordert sieht und die Situation aktuell nicht bewältigen kann (Cullberg, 2008, S. 16; Sonneck et al., 2016, S. 15). Wichtig ist die Unterscheidung akuter von chronisch-protrahierten Krisen, bei denen Akutinterventionen nicht anschlagen (Sonneck et al., 2016, S. 38-40, 67). Aus der Recovery-Perspektive gilt die Krise als „legitime und wertvolle menschliche Erfahrung“ (Watson et al., 2014, S. 534, eigene Übersetzung) und häufig als Ausgangspunkt für Genesungsprozesse (Borg et al., 2011, S. 6; Neumann, 2022, S. 334-335; siehe Zwischen Krise und Kontinuität).

Literatur

Borg, M., Karlsson, B., Lofthus, A.-M., & Davidson, L. (2011). „Hitting the wall“: Lived experiences of mental health crises. International Journal of Qualitative Studies on Health and Well-Being, 6(4), 7197. https://doi.org/10.3402/qhw.v6i4.7197

Cullberg, J. (2008). Krise als Entwicklungschance (überarbeitete und erweiterte Neuauflage der Ausgabe von 1980). Psychosozial-Verlag.

Neumann, O. (2022). Krisenintervention. In J. Bischkopf, D. Deimel, C. Walther, & R.-B. Zimmermann (Hrsg.), Soziale Arbeit in der Psychiatrie. Lehrbuch (S. 326–344). Psychiatrie Verlag.

Sonneck, G., Kapusta, N., Tomandl, G., & Voracek, M. (Hrsg.). (2016). Krisenintervention und Suizidverhütung (3. aktualisierte Auflage). UTB facultas.

Watson, S., Thorburn, K., Everett, M., & Fisher, K. R. (2014). Care without coercion—Mental health rights, personal recovery and trauma-informed care. Australian Journal of Social Issues, 49(4), 529–549.