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Begriff

Krise

In einer Krise reichen vertraute Wege gerade nicht aus, um eine starke Belastung zu bewältigen. Die Person braucht Unterstützung und soll möglichst weiter mitentscheiden können.

Was eine Krise bedeutet

Ereignisse oder Lebensumstände können einen Menschen aus dem seelischen Gleichgewicht bringen. Die Person fühlt sich überfordert. Was sonst geholfen hat, reicht im Moment nicht mehr aus.

Eine Krise ist damit mehr als ein einzelnes Krankheitszeichen. Sie ist auch nicht automatisch ein Notfall.

In den Recovery-Texten von konsent.one bedeutet eine Krise: Betroffene und unterstützende Menschen müssen ihr Vorgehen verändern. Sie brauchen vielleicht mehr Zeit, klarere Abläufe und mehr Schutz. Gespräche und gemeinsame Entscheidungen sollen dabei möglichst erhalten bleiben.

Veränderungen früh bemerken

Der Recovery-Kompass unterscheidet Alltag, Spannung, Krise und Notfall. Aus Belastungen im Alltag kann Spannung entstehen. Eine Spannung kann sich zu einer Krise entwickeln. Im äußersten Fall wird daraus ein Notfall.

Je früher eine Spannung oder Krise verstanden wird, desto eher bleiben Wahlmöglichkeiten und Beziehungen erhalten. Auch die Begleitung nach der Krise lässt sich dann besser mitdenken.

Krisen können unterschiedlich verlaufen

Fachlich wird zwischen akuten und lange anhaltenden Krisen unterschieden. „Akut“ meint eine gegenwärtige zugespitzte Situation. Lange anhaltende Krisen werden auch „chronisch-protrahiert“ genannt.

Diese Unterscheidung ist wichtig: Bei lange anhaltenden Krisen greifen Hilfen, die für eine akute Krise gedacht sind, nicht einfach auf die gleiche Weise.

Die Erfahrung der Person ernst nehmen

Aus der Recovery-Perspektive ist eine Krise eine menschliche Erfahrung, die ernst genommen werden muss. Sie kann trotz ihrer Belastungen auch wertvoll sein und zum Ausgangspunkt von Genesung werden.

Recovery meint den eigenen Weg zu einem guten Leben nach oder mit seelischen Belastungen. Wie Krise und dieser Weg zusammenhängen, erklärt Zwischen Krise und Kontinuität.

Bücher und Quellen

Borg, M., Karlsson, B., Lofthus, A.-M., & Davidson, L. (2011). „Hitting the wall“: Lived experiences of mental health crises. International Journal of Qualitative Studies on Health and Well-Being, 6(4), 7197. https://doi.org/10.3402/qhw.v6i4.7197

Cullberg, J. (2008). Krise als Entwicklungschance (überarbeitete und erweiterte Neuauflage der Ausgabe von 1980). Psychosozial-Verlag.

Neumann, O. (2022). Krisenintervention. In J. Bischkopf, D. Deimel, C. Walther, & R.-B. Zimmermann (Hrsg.), Soziale Arbeit in der Psychiatrie. Lehrbuch (S. 326–344). Psychiatrie Verlag.

Sonneck, G., Kapusta, N., Tomandl, G., & Voracek, M. (Hrsg.). (2016). Krisenintervention und Suizidverhütung (3. aktualisierte Auflage). UTB facultas.

Watson, S., Thorburn, K., Everett, M., & Fisher, K. R. (2014). Care without coercion—Mental health rights, personal recovery and trauma-informed care. Australian Journal of Social Issues, 49(4), 529–549.