Begriff

Macht

Macht ist in der Sozialen Arbeit nicht nur persönliches Verhalten, sondern strukturell verteilt. Fachkräfte bestimmen oft, was besprochen wird, welche Sprache gilt, welche Optionen realistisch sind, welche Grenzen nicht verhandelbar sind und was aus einem Nein folgt.

dEf nimmt diese Asymmetrie nicht weg. Es macht sie bearbeitbar: durch Vorschläge statt Anweisungen, Einwände statt bloßer Zustimmung und Vereinbarungen, die überprüft werden können. Der Anspruch „auf Augenhöhe“ ist dabei ein kritischer Maßstab, keine Behauptung bereits erreichter Gleichheit.

Fachlicher Hintergrund

Herriger differenziert die Machtquellen professioneller Hilfe — Interventions- und Kontrollmacht, Organisationsmacht, Definitionsmacht und Prozeßmacht — und hält fest: „der Klient … verfügt nicht über gleichwertige Ressourcen von Gegenmacht“ (Herriger, 2020, S. 241). dEf ist darauf die verfahrensförmige Antwort: Macht wird nicht verdeckt ausgeübt, sondern in begründbare, einwandfähige und überprüfbare Verfahren übersetzt; die Ausarbeitung liegt in den dEf-Grundlagen.

Literatur

Herriger, N. (2020). Empowerment in der Sozialen Arbeit: Eine Einführung (6. Aufl.). Kohlhammer.

Kessl, F. (2021). Macht - noch immer (k)ein Thema Sozialer Arbeit. In B. Kraus & W. Krieger (Hrsg.), Macht in der Sozialen Arbeit: Interaktionsverhältnisse zwischen Kontrolle, Partizipation und Freisetzung (S. 25-40). Jacobs Verlag.

Kraus, B. & Krieger, W. (Hrsg.). (2021). Macht in der Sozialen Arbeit: Interaktionsverhältnisse zwischen Kontrolle, Partizipation und Freisetzung. Jacobs Verlag.

Slade, M. (2017). Implementing shared decision making in routine mental health care. World Psychiatry, 16(2), 146-153. https://doi.org/10.1002/wps.20412