Begriff
Macht
Macht bedeutet: Eine Person kann Entscheidungen treffen, die das Leben anderer beeinflussen. Deshalb muss erkennbar sein, wer welche Macht hat und wie sie genutzt wird.
Macht steckt auch in Abläufen und Regeln
In der Sozialen Arbeit hängt Macht nicht nur davon ab, wie sich einzelne Personen verhalten. Sie ist auch durch Aufgaben, Regeln und Einrichtungen ungleich verteilt.
Fachkräfte bestimmen oft, welche Themen besprochen werden. Sie bestimmen mit, welche Sprache verwendet wird und welche Möglichkeiten zur Wahl stehen. Häufig legen sie auch Grenzen und die Folgen eines Neins fest.
Die unterstützte Person hat meist nicht die gleichen Möglichkeiten, sich dagegen durchzusetzen.
Verschiedene Quellen von Macht
Herriger unterscheidet mehrere Formen:
- Interventions- und Kontrollmacht: Fachkräfte können eingreifen und Grenzen setzen.
- Organisationsmacht: Die Einrichtung und ihre Regeln geben Einfluss.
- Definitionsmacht: Fachkräfte können prägen, wie eine Situation oder ein Problem beschrieben wird.
- Prozessmacht: Fachkräfte können den Ablauf der Unterstützung und von Entscheidungen bestimmen.
So wird sichtbar, dass Macht auch ohne eine ausdrückliche Anweisung wirken kann.
Macht gemeinsam bearbeitbar machen
Die dialogische Entscheidungsfindung, kurz dEf, beseitigt dieses Ungleichgewicht nicht einfach. Sie soll aber ermöglichen, damit offen umzugehen.
Dazu gehören Vorschläge, die verändert werden können. Einwände müssen Gewicht haben. Vereinbarungen müssen überprüft werden können. Entscheidungen sollen begründet sein, und die Beteiligten sollen ihnen mit nachvollziehbaren Gründen widersprechen können.
Der Ausdruck „auf Augenhöhe“ beschreibt dabei einen Anspruch. Er ist ein Maßstab für die Prüfung: Werden Menschen wirklich ernst genommen? Er bedeutet nicht, dass bereits alle gleich viel Macht haben.
Die Zusammenhänge werden in den Grundlagen von dEf ausgearbeitet.
Bücher und Quellen
Herriger, N. (2020). Empowerment in der Sozialen Arbeit: Eine Einführung (6. Aufl.). Kohlhammer.
Kessl, F. (2021). Macht - noch immer (k)ein Thema Sozialer Arbeit. In B. Kraus & W. Krieger (Hrsg.), Macht in der Sozialen Arbeit: Interaktionsverhältnisse zwischen Kontrolle, Partizipation und Freisetzung (S. 25-40). Jacobs Verlag.
Kraus, B. & Krieger, W. (Hrsg.). (2021). Macht in der Sozialen Arbeit: Interaktionsverhältnisse zwischen Kontrolle, Partizipation und Freisetzung. Jacobs Verlag.
Slade, M. (2017). Implementing shared decision making in routine mental health care. World Psychiatry, 16(2), 146-153. https://doi.org/10.1002/wps.20412
