Kernverständnis
MBSR arbeitet mit der Fähigkeit, die Aufmerksamkeit absichtlich auf den gegenwärtigen Moment zu richten und die eigene Erfahrung möglichst nicht wertend wahrzunehmen (Kabat-Zinn, 2013). Im klinischen Feld ist MBSR ein Ausgangspunkt für weitere achtsamkeitsbasierte Programme, etwa MBCT (Segal, Williams & Teasdale, 2013). Für psychotische Störungen und schwere psychische Erkrankungen ist eine besonders sorgfältige, gruppen- und traumasensible Rahmung wichtig (Böge & Hahn, 2021; Cheng et al., 2023, 2024).
Drei Punkte sind für die Einordnung wichtig:
- Gegenwärtigkeit: wahrnehmen, was jetzt geschieht.
- Nicht-Werten: angenehme, unangenehme und neutrale Erfahrungen bemerken, ohne sofort zu kämpfen oder festzuhalten.
- Freundliches Zurückkehren: Abschweifen ist kein Fehler, sondern der Moment, in dem Achtsamkeit wieder möglich wird.
Typische Praxisformen
- Atemachtsamkeit
- Bodyscan
- achtsame Bewegung
- Sitzmeditation
- achtsame Routinehandlungen im Alltag
- kurze Alltagspausen, zum Beispiel ein Drei-Minuten-Atemraum
Bedeutung für konsent.one
MBSR ist ein wichtiger Bezugspunkt für achtsamkeitsbasierte Recovery und kurze Alltagspraxen wie AHA. Gleichzeitig braucht es eine klare sozialarbeiterische Abgrenzung: In der AHA-Praxis werden Elemente aus MBSR/STOP niedrigschwellig, freiwillig und alltagsnah übersetzt; bei Krisen- und Traumaerfahrungen muss jede Achtsamkeitspraxis besonders sorgfältig gerahmt werden.
In der konsent.one-Perspektive ist MBSR deshalb weder Feindbild noch Blaupause. Es ist ein starker Ausgangspunkt, der für Recovery, Teilhabe, Machtkritik und niedrigschwellige Praxis weiterübersetzt werden muss.
Literatur
Böge, K. & Hahn, E. (2021). Achtsamkeit bei psychotischen Störungen: Gruppentherapiemanual für die stationäre und ambulante Behandlung SENSE. Beltz.
Böge, K., Hahne, I., Bergmann, N., Wingenfeld, K., Zierhut, M., Thomas, N., Ta, T. M. T., Bajbouj, M. & Hahn, E. (2021). Mindfulness-based group therapy for in-patients with schizophrenia spectrum disorders: Feasibility, acceptability, and preliminary outcomes of a rater-blinded randomized controlled trial. Schizophrenia Research, 228, 134-144.
Cheng, D. Y. T., Young, D. K. W., Carlbring, P., Ng, P. Y. N. & Hung, S. S. L. (2023). Facilitating personal recovery through mindfulness-based intervention among people with mental illness. Research on Social Work Practice, 33(8), 827-848. https://doi.org/10.1177/10497315221137137
Cheng, Y. T. D., Young, K. W. D., Carlbring, P., Ng, Y. N. & Hung, S. L. S. (2024). A pilot randomized controlled trial among people recovering from mental illness: A tailored mindfulness-based intervention versus relaxation training. Journal of Evidence-Based Social Work, 21(3), 318-348. https://doi.org/10.1080/26408066.2023.2281418
Kabat-Zinn, J. (2013). Full catastrophe living: Using the wisdom of your body and mind to face stress, pain, and illness (2. Aufl.). Bantam Books.
Segal, Z. V., Williams, J. M. G. & Teasdale, J. D. (2013). Mindfulness-based cognitive therapy for depression (2. Aufl.). Guilford Press.
