Begriff

Verbundenheit

Verbundenheit ist einer der CHIME-Prozesse im Recovery-Ansatz. Sie meint nicht nur Kontakt, sondern Beziehungen, in denen Menschen gesehen werden, Unterstützung erfahren und selbst etwas beitragen können.

Für die Sozialraumperspektive ist Verbundenheit zentral: Ein Ort wird nicht dadurch inklusiv, dass dort Angebote liegen, sondern dadurch, dass Beziehungen entstehen und Menschen dort tatsächlich willkommen sind.

Fachlicher Hintergrund

Schon Deegan beschreibt als zentral die Erfahrung, dass das soziale Umfeld Betroffene an Tiefpunkten nicht aufgibt (Deegan, 1988, S. 14), und hebt die Bedeutung von Peer-Unterstützung hervor (S. 17); Knuf ordnet Unterstützung durch andere Betroffene als häufig ebenso wirksam wie professionelle Hilfe ein (Knuf, 2020, S. 151); die randomisierte Evidenz zu Peer-Support stützt eine Gleichwertigkeit bislang nicht. In einer qualitativen Schutzfaktoren-Studie entlang des CHIME-Frameworks (37 Männer mit Suizidgedanken) wurde Verbundenheit als zentraler Schutzfaktor identifiziert („The Primacy of Relational Connectedness“, Boydell et al., 2023; siehe Zwischen Krise und Kontinuität).

Literatur

Boydell, K. M., Nicolopoulos, A., Macdonald, D., Habak, S., & Christensen, H. (2023). Understanding Protective Factors for Men at Risk of Suicide Using the CHIME Framework: The Primacy of Relational Connectedness. International Journal of Environmental Research and Public Health, 20(3), 2259. https://doi.org/10.3390/ijerph20032259

Deegan, P. E. (1988). Recovery: The lived experience of rehabilitation. Psychosocial Rehabilitation Journal, 11(4), 11–19. https://doi.org/10.1037/h0099565

Knuf, A. (2020). Recovery und Empowerment (Neuausgabe). Psychiatrie Verlag.