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dialogische Entscheidungsfindung (dEf)

Zwischen Durchsetzen und Laufenlassen: ein dritter Weg.

Gute Entscheidungen entstehen nicht dort, wo sich die Lautesten durchsetzen. Sie entstehen dort, wo auch leise Stimmen, offene Risiken und unbequeme Einwände in die Lösung eingehen. So werden Vorschläge klarer, tragfähiger und oft überraschend besser.

Zwei Menschen entwickeln im Gespräch einen Vorschlag

Worum es geht

Dialogische Entscheidungsfindung ist ein klarer Gesprächsprozess für Entscheidungen, die Menschen betreffen. Eine Person benennt eine Spannung und bringt einen veränderbaren Vorschlag ein. Zunächst klärt die Gruppe Verständnisfragen. Danach hört sie Reaktionen, sammelt Einwände und prüft sie begründet. Ein Stimmungsbild oder eine Widerstandsabfrage kann sichtbar machen, wie tragfähig der Vorschlag bereits ist. Ein Einwand wird nicht überstimmt, sondern genutzt, um den Vorschlag zu verbessern.

Der Prozess hat drei Phasen: Vorschlag, Einwände und Vereinbarung. In der dritten Phase wird festgehalten, was gilt, wer welche Verantwortung übernimmt und wann die Vereinbarung überprüft wird. Der Vorschlag muss nicht alle begeistern. Er ist tragfähig, wenn kein begründeter, schwerwiegender Einwand mehr besteht und er gut genug zum Erproben ist.

Bleibt ein Einwand offen, gibt es fünf Wege: beiseitetreten, vertagen, testen, überarbeiten oder begründet blockieren. Wird eine Vereinbarung später wiederholt nicht eingehalten, kann die dialogische Konsequenzenfolge eingesetzt werden. Sie ist keine Strafleiter, sondern eine vorher vereinbarte Folge von Klärungsschritten: vom Gespräch unter vier Augen bis zu einer formalen Konsequenz. Für akute Gefährdung und gesetzliche Schutzaufträge gelten andere Verfahren.

Moderationskarten

Lernen auf konsent.training

Diese Seite erklärt Methode, Materialien, Quellen und fachliche Grenzen. Die Kursseite auf konsent.training bündelt Basiskurs, Vertiefungen, Übungen, Formate und Anfragewege.

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Grundhaltung und Grenzen

Dialogische Entscheidungsfindung ist eine praxisnahe Adaption des Konsent-Verfahrens für die Soziale Arbeit. Sie arbeitet mit Vorschlägen statt vorschnellen Anweisungen. Einwände sind fachliche Informationen, keine Störung. Der Vorschlag gehört ab dem Moment seiner Einbringung der Gruppe.

Nicht alles ist verhandelbar. Schutzaufträge, rechtliche Zuständigkeiten, fachliche Verantwortung und mögliche Folgen müssen sichtbar benannt werden. Das Ziel ist eine überprüfbare Vereinbarung, nicht das Überzeugen aller Beteiligten.

Nicht alles ist verhandelbar. Aber fast alles muss erklärbar sein.

Ein Werkzeug im Kontext

dEf ist ein zentrales Werkzeug innerhalb der Teilhabe-orientierten Moderation. Gemeinsam mit der Achtsamkeits-basierten Recovery und dem Recovery-Kompass steht sie in einem methodischen Kontext.

Texte und Literatur

Quellenbasis

Forschung und Literatur

Die folgenden Quellen bündeln die fachlichen Bezüge der veröffentlichten Texte und ordnen sie thematisch.

Menschenrechte, Macht und Mandat

Diese Quellen markieren den normativen Rahmen: Selbstbestimmung, Capability Approach, Machtreflexion, Mandat und Menschenrechte in der Sozialen Arbeit.

Charlton, J. I. (1998). Nothing about us without us: Disability oppression and empowerment. University of California Press.

Herriger, N. (2020). Empowerment in der Sozialen Arbeit. Eine Einführung (6. Aufl.). Kohlhammer.

Kessl, F. (2021). Macht - noch immer (k)ein Thema Sozialer Arbeit. In B. Kraus & W. Krieger (Hrsg.), Macht in der Sozialen Arbeit (5. Aufl., S. 25-40). Jacobs.

Kraus, B., & Krieger, W. (Hrsg.). (2021). Macht in der Sozialen Arbeit: Interaktionsverhältnisse zwischen Kontrolle, Partizipation und Freisetzung (5., überarb. u. erw. Aufl.). Jacobs.

Lambers, H. (2020). Theorien der Sozialen Arbeit: Ein Kompendium und Vergleich (5. Aufl.). Budrich.

Lob-Hüdepohl, A. (2013). »People first«: Die ›Mandatsfrage‹ sozialer Professionen aus moralphilosophischer Sicht. EthikJournal, 1(1), 1-22.

Lutz, R. (2011). Das Mandat der Sozialen Arbeit. VS Verlag. doi.org/10.1007/978-3-531-92716-9

Nussbaum, M. C. (2010). Die Grenzen der Gerechtigkeit: Behinderung, Nationalität und Spezieszugehörigkeit. Suhrkamp.

Obert, K. (2020). Selbst- oder Fremdbestimmung - der ständige Seiltanz in der aufsuchenden Arbeit. In M. Rosemann & M. Konrad (Hrsg.), Selbstbestimmtes Wohnen kompakt (S. 138-148). Psychiatrie Verlag.

Roder, S. (2020). Der Capability Approach von Amartya Sen und Martha Nussbaum. In Leben mit einer Neuroprothese (S. 41-47). Springer VS.

Staub-Bernasconi, S. (2007). Vom beruflichen Doppel- zum professionellen Tripelmandat. SiO - Sozialarbeit in Österreich, 2, 8-17.

Staub-Bernasconi, S. (2019). Menschenwürde - Menschenrechte - Soziale Arbeit: Die Menschenrechte vom Kopf auf die Füße stellen. Budrich.

Wright, M. T., Block, M., & von Unger, H. (2010). Stufen der Partizipation in der Gesundheitsförderung. In M. T. Wright (Hrsg.), Partizipative Qualitätsentwicklung in der Gesundheitsförderung und Prävention (S. 35-52). Verlag Hans Huber.

Dialogische und personzentrierte Praxis

Hier liegen die fachlichen Sprachen für Haltung, Zuhören, Einwände, grüne Fragen, GfK, Offenen Dialog und stärkende Gesprächsführung.

Bendler, S., & Heise, S. (2018). Gewaltfreie Kommunikation in der Sozialen Arbeit. Vandenhoeck & Ruprecht. doi.org/10.13109/9783666711503

Bock, T. (2021). Psychose und Eigensinn. Noncompliance als Chance. Psychiatrie-Verlag.

Bock, T., Buck, D., Dörner, K., Heim, S., Schäfer, C., Schmitt, E., Stolz, P., & Zingler, U. (2007). »Es ist normal, verschieden zu sein!« Verständnis und Behandlung von Psychosen (6. Aufl.). Brücke.

Davies, W. (2000). The RAID manual: A relentlessly positive approach in working with extreme behaviour (3. Aufl.). APT Press.

Jong, P. de, & Berg, I. K. (2014). Lösungen (er-)finden: Das Werkstattbuch der lösungsorientierten Kurzzeittherapie (7. Aufl.). Verlag Modernes Lernen.

Koerfer, A., & Albus, C. (2015). Dialogische Entscheidungsfindung zwischen Arzt und Patient. In A. Busch & T. Spranz-Fogasy (Hrsg.), Handbuch Sprache in der Medizin (S. 116-134). De Gruyter. doi.org/10.1515/9783110296174-007

Olson, M., Seikkula, J., & Ziedonis, D. (2014). The key elements of dialogic practice in Open Dialogue: Fidelity criteria (Version 1.1). University of Massachusetts Medical School.

Rapp, C. A., & Goscha, R. J. (2012). The strengths model. Oxford University Press.

Rogers, C. (2012). Client centred therapy (New Ed). Constable & Robinson.

Rogers, C. (2017). Der neue Mensch (B. Stein, Übers.; 11. Aufl.). Klett-Cotta.

Rosenberg, M. (2016). Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens (I. Holler, Übers.; 12. Aufl.). Junfermann.

Seikkula, J., & Arnkil, T. E. (2022). Offener Dialog: Die Vielfalt der Stimmen im Netz. Psychiatrie Verlag. doi.org/10.5771/9783966051651

Slade, M. (2017). Implementing shared decision making in routine mental health care. World Psychiatry, 16(2), 146-153.

Weinberger, S. (2013). Klientenzentrierte Gesprächsführung: Lern- und Praxisanleitung für psychosoziale Berufe (14. Aufl.). Beltz Juventa.

Konsent, Widerstand und Konsequenzen

Diese Literatur bündelt die methodischen Vorläufer: Konsent, Soziokratie, Widerstandsabfrage, Formal Consensus und transparente Konsequenzen.

Bockelbrink, B., Priest, J., & David, L. (2019). Soziokratie 3.0 - Ein Praxisleitfaden. Sociocracy 3.0. patterns-de.sociocracy30.org

Bockelbrink, B., Priest, J., & David, L. (2026). A practical guide for evolving agile and resilient organizations with Sociocracy 3.0. sociocracy30.org/guide

Buck, J., & Villines, S. (2017). We the people: Consenting to a deeper democracy (2. Aufl.). Sociocracy.info.

Butler, C. T., & Rothstein, A. (1987). On conflict and consensus: A handbook on formal consensus decisionmaking. Food Not Bombs Publishing.

Carr, E. G., Dunlap, G., Horner, R. H., Koegel, R. L., Turnbull, A. P., Sailor, W., Anderson, J. L., Albin, R. W., Koegel, L. K., & Fox, L. (2002). Positive Behavior Support: Evolution of an applied science. Journal of Positive Behavior Interventions, 4(1), 4-16. doi.org/10.1177/109830070200400102

Christian, D. L. (2003). Creating a life together: Practical tools to grow ecovillages and intentional communities. New Society Publishers.

Christian, D. L. (2019). A graduated series of consequences and the »community eye«. Communities, 184, 61-63.

Früchtel, F., & Halibrand, A.-M. (2016). Restorative Justice: Theorie und Methode für die Soziale Arbeit. Springer. doi.org/10.1007/978-3-658-10179-4

Paulus, G., Schrotta, S., & Visotschnig, E. (2022). Systemisches Konsensieren (6. Aufl.). Danke-Verlag.

Rau, T. J., & Koch-Gonzalez, J. (2018). Many voices one song: Gemeinsam arbeiten, gemeinsam entscheiden mit Soziokratie. Sociocracy For All.

Strauch, B., & Reijmer, A. (2018). Soziokratie: Kreisstrukturen als Organisationsprinzip zur Stärkung der Mitverantwortung des Einzelnen. Vahlen.