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Einfache Sprache

Konsequent handeln, ohne zu bestrafen — Version 2.0

Version 2.0 der dialogischen Konsequenzenfolge beginnt schon bei einer Rückmeldung. Eine neue Stufe 0 stärkt zuerst das Positive.

Stufe 0 und die fünf Stufen: Rückmeldung, Klärung, Vereinbarung, verbindliches Vereinbarungsgespräch und formale Konsequenz.
Die neue Stufe 0 und die fünf Stufen der dialogischen Konsequenzenfolge. Eigene Darstellung nach Anregungen von Christian aus den Jahren 2003 und 2019.

Eine neue Fassung der dialogischen Konsequenzenfolge

Was tun, wenn eine Vereinbarung wiederholt nicht hält?

Meine Antwort ist die dialogische Konsequenzenfolge. Die Abkürzung ist dK. Sie besteht aus fünf Stufen. Das Verfahren soll Verbindlichkeit herstellen und dabei auf Bestrafung verzichten.

Das Arbeitspapier liegt jetzt in Version 2.0 vor. Diese Fassung beginnt früher. Es geht zunächst um Rückmeldungen und nicht erst darum, Regeln durchzusetzen.

Früher ansetzen: bei der Spannung

Version 1 fragte: Wie reagieren wir fair, wenn eine Vereinbarung gebrochen wird?

Version 2.0 setzt schon bei einer Spannung an, für die es noch keine Vereinbarung gibt.

Jemand bemerkt zum Beispiel: Etwas läuft nicht gut. Ein Verhalten irritiert immer wieder. Oder eine Rückmeldung steht an.

Die ersten beiden Stufen lassen sich jetzt auch ohne bestehende Vereinbarung nutzen: ein Gespräch unter vier Augen und ein Gespräch in einer kleinen Runde.

Dabei können Wahrnehmungen, Wirkungen und Bedürfnisse geklärt werden.

Wie aus einer Spannung eine Vereinbarung wird

Manchmal reicht es schon, die Spannung auszusprechen.

Manchmal entsteht daraus ein Wunsch. Aus diesem Wunsch wird ein Vorschlag. Die Beteiligten nennen ihre Einwände und arbeiten sie ein.

Am Ende kann eine Vereinbarung stehen, die alle verstehen und akzeptieren.

Erst wenn diese Vereinbarung wiederholt nicht trägt, beginnt die Konsequenzenfolge im engeren Sinn. Dafür muss die Vereinbarung verständlich, gemeinsam beschlossen und überprüfbar sein.

Falls nötig, führt der Weg bis zur formalen Konsequenz auf Stufe 5.

Bei einer neuen Regel beginnt die Folge von vorn

Entsteht während der Gespräche eine neue Regel, beginnt die Folge für diese Regel von vorn.

Niemand darf zum Beispiel schon auf Stufe 3 beginnen, wenn die Regel erst seit gestern besteht.

Die neue Stufe 0: das Positive stärken

Stufe 0 liegt vor allen Gesprächen. Sie ist keine Reaktion auf ein Problem.

Sie beschreibt eine dauerhafte Grundhaltung:

  • Stärken erkennen.
  • Schritte bemerken, die gelingen.
  • Grüne Fragen stellen. Das sind Fragen, die den Blick auf Erwünschtes und hilfreiche Möglichkeiten richten.
  • Wahlmöglichkeiten eröffnen.

Das Bild dazu lautet: die Blumen gießen, nicht das Unkraut.

Stufe 0: Stärken sehen, grüne Fragen stellen und kleine Schritte bemerken. Erst danach prüfen, ob eine Rückmeldung nötig ist.
Das Positive zu stärken kommt vor einer kritischen Rückmeldung.

Nicht jede Rückmeldung ist nötig

Vor einem Feedback steht eine wichtige Frage: Braucht es diese Rückmeldung überhaupt?

Manchmal ist es besser, ein Verhalten nicht weiter zu beachten. Das gilt aber nur, soweit es verantwortbar ist.

Manches verliert an Bedeutung, wenn es keine zusätzliche Aufmerksamkeit bekommt. Stattdessen kann das gewünschte Verhalten gestärkt werden.

Verbindlichkeit bedeutet nicht Gehorsam

Ein neues Kapitel behandelt eine häufige Verwechslung.

Eine unterstützte Person folgt einer Empfehlung nicht. Dann wird sie manchmal als „nicht compliant“ bezeichnet. Gemeint ist, dass sie nicht wie erwartet mitmacht.

Ein Teammitglied widerspricht. Dann gilt es vielleicht als unkollegial.

Solche Bewertungen können Schaden anrichten. Vier Unterschiede sind deshalb wichtig:

  • Respekt bedeutet nicht, gehorchen zu müssen.
  • Zusammenarbeit bedeutet nicht, allem ohne Widerspruch zuzustimmen.
  • Kollegialität bedeutet nicht, jemandem einfach zu folgen.
  • Verbindlichkeit bedeutet nicht, sich unterzuordnen.

Rückmeldungen sind in beide Richtungen möglich

Der Erfolg der Methode zeigt sich nicht daran, ob eine Person am Ende gehorcht.

Wichtig ist, ob berechtigte, verständliche und verlässliche Vereinbarungen entstehen.

Auch Nutzerinnen und Nutzer können auf jeder Stufe Rückmeldung geben. Sie können benennen, wenn eine Vereinbarung verletzt wurde. Sie können auch die nächste Klärungsstufe verlangen.

Eine Konsequenzenfolge darf nicht nur von mächtigeren zu weniger mächtigen Personen führen. Sonst wäre sie ein Mittel zur Disziplinierung und keine dialogische Methode.

Drei Bereiche der Anwendung

Die überarbeitete Übersicht zeigt drei Zusammenhänge:

  • Innerhalb eines Teams.
  • Zwischen Fachkräften und Nutzerinnen oder Nutzern.
  • Zwischen Nutzerinnen und Nutzern untereinander.

Beim zweiten Zusammenhang sind beide Richtungen wichtig: Das Team kann Rückmeldung geben. Nutzerinnen und Nutzer können dem Team ebenfalls Rückmeldung geben.

Drei Bereiche: im Team, zwischen Team und Nutzerinnen oder Nutzern in beide Richtungen sowie zwischen Nutzerinnen und Nutzern.
Stufe 0 und die fünf Stufen in drei Bereichen. Zwischen Team und Nutzerinnen oder Nutzern gilt die Methode in beide Richtungen. Eigene Darstellung nach Anregungen von Christian aus den Jahren 2003 und 2019.

Weitere Änderungen und eine klare Grenze

Version 2.0 erklärt den Unterschied zwischen einer Konsequenz und einer Strafe genauer.

Auch Gewaltfreie Kommunikation und grüne Fragen bekommen mehr Raum. Sie sind wichtige sprachliche Hilfen auf den verschiedenen Stufen.

Die Grenze bleibt klar: Bei akuter Gefahr ist die dialogische Konsequenzenfolge nicht das passende Verfahren. Dann gelten das Schutzkonzept und die rechtlichen Verfahren.

Der Kern ist gleich geblieben: Nicht wegschauen. Nicht bestrafen. Früh klären.

Das vollständige Arbeitspapier

Version 2.0 ist frei zugänglich:

Roerick, J. (2026). Konsequent handeln, ohne zu bestrafen. Die dialogische Konsequenzenfolge für wiederholt gebrochene Vereinbarungen in der Sozialen Arbeit [Working Paper]. konsent.one / figshare. https://doi.org/10.6084/m9.figshare.32969582

Mehr zum Hintergrund steht im Beitrag zur dialogischen Entscheidungsfindung (dEf).


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