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Einordnung

CHIME ↔ Konsent-Prozess (Einordnung der 7 Schritte)

Die sieben Schritte des Konsent-Prozesses lassen sich mit CHIME verbinden. Sie zeigen, wie gemeinsames Entscheiden Beziehungen und eigene Handlungsmöglichkeiten stärken kann.

Die Idee der Verbindung

CHIME beschreibt Verbundenheit, Hoffnung, Identität, Sinn und Selbstbestimmung. Konsent ist ein Verfahren für gemeinsame Entscheidungen. Die Gruppe prüft Vorschläge, hört Einwände und sucht eine tragfähige Vereinbarung.

Die folgende Einordnung zeigt, wo CHIME-Themen in den sieben Konsent-Schritten sichtbar werden können. Konsent übersetzt diese Themen damit in eine konkrete Form der Zusammenarbeit.

Vor Schritt 1 und während des ganzen Prozesses: Verbundenheit

Das C in CHIME steht für Connectedness, also Verbundenheit. Am Anfang braucht die Gruppe einen gemeinsamen Rahmen. Die Beteiligten kommen zusammen, um eine Schwierigkeit gemeinsam zu bearbeiten.

Dafür müssen Menschen sich zugehörig fühlen und miteinander sprechen können. Diese Verbindung bleibt während des ganzen Verfahrens wichtig.

Schritt 1: Eine Spannung benennen

Eine Spannung ist ein Unterschied zwischen der jetzigen Situation und einer gewünschten Situation. Die Gruppe beschreibt: So ist es gerade. So sollte es sein.

Hier passt das H für Hope, also Hoffnung. Wer eine Spannung benennt, macht auch deutlich: Etwas könnte sich verändern. Der Unterschied soll sichtbar werden, ohne die Beteiligten zu entmutigen. Dieser Gedanke führt zum nächsten Schritt.

Schritt 2: Einen Vorschlag machen

Eine Person bringt einen eigenen Vorschlag ein. Darin werden ihre Stimme und ihr Standpunkt sichtbar. Sie trägt etwas zur gemeinsamen Wirklichkeit bei.

Hier passt das I für Identity, also Identität. Ich zeige mit meinem Beitrag, was ich denke und was mir wichtig ist. Dieser Beitrag zählt auch dann, wenn die Gruppe den Vorschlag später nicht annimmt.

Schritt 3 und 4: Fragen klären und Reaktionen hören

In Schritt 3 stellen die Beteiligten Verständnisfragen. In Schritt 4 hören sie erste Reaktionen auf den Vorschlag.

Diese beiden Schritte bilden eine Verbindung zu den späteren Schritten. Sie helfen, einander und den Vorschlag zu verstehen. So stärken sie die Beziehungen. Sie bereiten auch die Klärung von Sinn und die gemeinsame Entscheidung vor. Die formelle Arbeit an Einwänden beginnt jedoch erst danach.

Schritt 5 und 6: Einwände sammeln und einarbeiten

In Schritt 5 sammelt die Gruppe Einwände. In Schritt 6 versucht sie, diese in den Vorschlag einzuarbeiten.

Hier passt das M für Meaning, also Sinn. Die Beteiligten klären, welche Werte, Grenzen und Ziele wichtig sind. Sie besprechen, was tragfähig und akzeptabel ist. Daraus kann eine gemeinsame Orientierung entstehen.

Schritt 7: Entscheiden und umsetzen

Hier passt das E für Empowerment. Damit sind wirkliche Entscheidungsmacht und Handlungsfähigkeit gemeint.

Beteiligte müssen Ja oder Nein sagen können. Je nach Ergebnis kann die Gruppe einen Vorschlag annehmen, ablehnen oder aufschieben. Ein Vorschlag kann zurückgenommen werden. Ein begründeter Einwand kann die Entscheidung auch blockieren.

Empowerment zeigt sich deshalb nicht nur darin, angehört zu werden. Menschen müssen tatsächlich Einfluss auf die Entscheidung haben. Zu einer angenommenen Vereinbarung gehört anschließend auch ihre verlässliche Umsetzung.

Bücher und Quellen

Bockelbrink, B., Priest, J. & David, L. (2019). Soziokratie 3.0 - Ein Praxisleitfaden. Sociocracy 3.0. https://sociocracy30.org/guide/

Butler, C. T. & Rothstein, A. (1987). On Conflict and Consensus: A handbook on formal consensus decisionmaking. Food Not Bombs Publishing.

Herriger, N. (2020). Empowerment in der Sozialen Arbeit: Eine Einführung (6. Aufl.). Kohlhammer.

Leamy, M., Bird, V., Le Boutillier, C., Williams, J. & Slade, M. (2011). Conceptual framework for personal recovery in mental health: Systematic review and narrative synthesis. British Journal of Psychiatry, 199(6), 445-452. https://doi.org/10.1192/bjp.bp.110.083733

Rau, T. J. & Koch-Gonzalez, J. (2018). Many Voices One Song: Gemeinsam arbeiten, gemeinsam entscheiden mit Soziokratie. Sociocracy For All.