Einordnung
CHIME ↔ PERMA (erweitert um zentrale Konzepte aus Flourish)
CHIME und PERMA beschreiben wichtige Seiten eines guten Lebens. Der Vergleich zeigt Gemeinsamkeiten und unterschiedliche Schwerpunkte.
Zwei Blickrichtungen
CHIME beschreibt wichtige Prozesse bei persönlicher Recovery. Damit ist der eigene Weg zu einem guten Leben mit oder nach einer psychischen Krise gemeint. PERMA beschreibt Wohlbefinden aus Sicht der Positiven Psychologie. In seinem Buch Flourish behandelt Martin Seligman außerdem weitere hilfreiche Eigenschaften und Fähigkeiten.
Diese Modelle lassen sich miteinander vergleichen. Die folgende Zuordnung erklärt, wo sich ihre Gedanken treffen. Sie zeigt auch, was CHIME jeweils besonders betont.
C: Verbundenheit und Beziehungen
Das C in CHIME steht für Connectedness, also Verbundenheit. Dazu passt das R in PERMA: Relationships bedeutet Beziehungen.
Beide Ansätze betonen Zugehörigkeit, Unterstützung und Kontakte zu anderen Menschen. CHIME schaut besonders auf Gemeinschaft, gesellschaftliche Teilhabe und Peer-Support. Peer-Support ist Unterstützung durch Menschen mit ähnlichen Erfahrungen. Diese Verbindungen können persönliche Recovery ermöglichen. PERMA betrachtet gute Beziehungen als einen eigenen Bestandteil von Wohlbefinden.
H: Hoffnung und hilfreiche Gefühle
Das H steht für Hope, also Hoffnung. Dazu passen mehrere Gedanken aus PERMA und Flourish:
- Positive Emotionen sind angenehme Gefühle, zum Beispiel Freude, Zuversicht und Dankbarkeit.
- Optimismus bedeutet, eine gute Entwicklung für möglich zu halten.
- Resilienz beschreibt die Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen und sich nach Rückschlägen zu erholen.
- Growth Mindset bedeutet: Ich kann lernen und mich weiterentwickeln.
Gemeinsam geht es um Zuversicht, neue Entwicklung und Durchhalten. CHIME betont Hoffnung besonders als Antrieb auf dem eigenen Recovery-Weg. Sie ist auch bei Rückschlägen wichtig. Flourish beschreibt die genannten Gefühle und Einstellungen als persönliche Kräfte, die dabei helfen können.
I: Identität und persönliche Stärken
Das I steht für Identity, also Identität. Hier passen Charakterstärken sowie körperliche Gesundheit und Lebenskraft dazu. Im Englischen heißen sie Character Strengths und Physical Health oder Vitality.
Beide Sichtweisen berühren Selbstbild, Würde und Selbstachtung. CHIME betont: Ein Mensch ist mehr als seine Diagnose. Seine Rollen und seine eigene Lebensgeschichte gehören zu seiner Identität.
Charakterstärken helfen, sich selbst anhand von Fähigkeiten zu beschreiben. So stehen nicht nur Schwierigkeiten im Mittelpunkt. Auch das körperliche Wohlbefinden gehört zum Selbstbild. Körper und Krankheit sollen dabei nicht alles bestimmen, was ein Mensch über sich denkt.
M: Sinn und engagiertes Tun
Das M steht in beiden Modellen für Meaning, also Sinn. Dazu passt auch das E aus PERMA: Engagement. Damit ist gemeint, in einer Tätigkeit aufzugehen und sich ihr aufmerksam zu widmen.
Gemeinsam geht es um Werte, Bedeutung und die Beteiligung an etwas Wichtigem. CHIME betont, dass Sinn in Krisen Orientierung und Halt geben kann. Bei Flourish tragen Sinn und engagiertes Tun dazu bei, dass Menschen aufblühen.
E: Selbstbestimmung und wirksames Handeln
Das E in CHIME steht für Empowerment. Menschen sollen selbst entscheiden und handeln können. Dazu passen Engagement und Accomplishment aus PERMA. Accomplishment bedeutet, etwas zu erreichen.
Gemeinsam sind das Vertrauen in die eigene Wirkung und das Erleben eigener Fähigkeiten. CHIME fragt außerdem nach Wahlrechten, Beteiligung und der Verteilung von Macht. Es geht deshalb auch um die Regeln und Bedingungen einer Einrichtung oder Gesellschaft.
Flourish richtet den Blick auf Fortschritte und erreichbare Ziele. Auch Flow gehört dazu: Ein Mensch geht ganz in einer Tätigkeit auf. Er erlebt dabei seine Fähigkeiten. Zielerreichung ist hier ein Ausdruck eigener Wirkung. Daraus soll kein Zwang zu immer mehr Leistung werden.
Was die Zuordnung leistet
Engagement verbindet zwei CHIME-Bereiche: Es kann sinnvolles Tun ermöglichen und zugleich die eigene Wirkung stärken. Die weiteren Begriffe aus Flourish ergänzen die psychologische Erklärung der CHIME-Themen.
Dabei bleiben die Herkunft und die Grenzen wichtig. Charakterstärken gehen auf Peterson und Seligman von 2004 zurück. Growth Mindset stammt von Carol Dweck aus dem Jahr 2006. Seligman greift diese Gedanken auf. Sie gehören aber nicht als zusätzliche Buchstaben zum ursprünglichen PERMA-Modell.
CHIME ergänzt den Blick auf Wohlbefinden um die Erfahrungen von Menschen in Recovery. Es fragt dabei auch nach Würde, Rechten und tatsächlicher Entscheidungsmacht.
Bücher und Quellen
Bengel, J. & Lyssenko, L. (2012). Resilienz und psychologische Schutzfaktoren im Erwachsenenalter: Stand der Forschung zu psychologischen Schutzfaktoren von Gesundheit im Erwachsenenalter. BZgA.
Leamy, M., Bird, V., Le Boutillier, C., Williams, J. & Slade, M. (2011). Conceptual framework for personal recovery in mental health: Systematic review and narrative synthesis. British Journal of Psychiatry, 199(6), 445-452. https://doi.org/10.1192/bjp.bp.110.083733
Resnick, S. G. & Rosenheck, R. A. (2006). Recovery and positive psychology: Parallel themes and potential synergies. Psychiatric Services, 57(1), 120-122. https://doi.org/10.1176/appi.ps.57.1.120
Seligman, M. (2012). Flourish - Wie Menschen aufblühen: Die Positive Psychologie des gelingenden Lebens. Kösel.
Slade, M. (2010). Mental illness and well-being: The central importance of positive psychology and recovery approaches. BMC Health Services Research, 10, 26. https://doi.org/10.1186/1472-6963-10-26
