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Begriff · Einordnung

Dritter Sozialraum nach Dörner

Der dritte Sozialraum ist die Nachbarschaft, in der Menschen einander kennen und Verantwortung übernehmen. Auch Menschen mit viel Unterstützungsbedarf sollen selbstverständlich dazugehören.

Drei Bereiche des Zusammenlebens

Klaus Dörner unterscheidet drei Sozialräume. Mit Sozialraum meint er einen Bereich, in dem Menschen leben und Beziehungen haben.

  • Der erste Sozialraum ist das private Leben.
  • Der zweite Sozialraum ist die Öffentlichkeit.
  • Der dritte Sozialraum ist die Nachbarschaft. Sie liegt zwischen dem privaten Leben und der großen, oft anonymen Gesellschaft.

Der dritte Sozialraum hat eine örtliche Grenze. Trotzdem geht es um mehr als Straßen und Adressen. Menschen sollen sich als Nachbarinnen und Nachbarn wahrnehmen. Sie sollen füreinander sichtbar und erreichbar werden und Verantwortung übernehmen.

Ein gemeinsamer Raum für alle

Dörner nennt die Nachbarschaft auch einen „Wir-Raum“. Menschen erleben hier im Alltag, dass sie zusammengehören. Ein solcher Raum soll alle einbeziehen, die dort leben und hingehören. Das gilt auch für alte Menschen und für Menschen, die Hilfe brauchen, chronisch krank sind oder seelische Beeinträchtigungen haben.

Die Nachbarschaft ist damit ein gemeinsamer Erfahrungsraum. Zugehörigkeit wird in Begegnungen und Beziehungen erlebt.

Helfen ohne gleich große Gegenleistung

Dörner spricht von „asymmetrischer Gegenseitigkeit“. Das bedeutet: Menschen müssen nicht gleich viel geben. Wer etwas beitragen kann, gibt zum Beispiel Zeit, Aufmerksamkeit, praktische Hilfe oder Geld. Wer Hilfe braucht, soll die nötige Unterstützung bekommen.

Diese gegenseitige Verantwortung bezieht sich auf die Menschen in der Nachbarschaft. Die Nachbarschaft ist dadurch nicht nur ein Wohnort. Sie kann auch ein kleiner Bereich sein, in dem Menschen demokratisch mitentscheiden und gemeinsam Hilfe organisieren.

Bedeutung für Unterstützung vor Ort

Die Gemeindepsychiatrie unterstützt Menschen mit psychischen Erkrankungen in ihrem Lebensumfeld. Görres und Zechert beschreiben den dritten Sozialraum als einen wichtigen Ort für diese Arbeit.

Manche Menschen sind längst in ihre Nachbarschaft eingebunden, ohne dass Fachkräfte das bemerken. Wiederkehrende kurze Kontakte können dabei wichtig sein. Das beschreibt der Text Beziehungen, nicht Adressen.

Dörner erklärt den Begriff auf den Seiten 92 bis 96 seines Buches von 2007: die drei Räume auf Seite 92 und der folgenden Seite, die gegenseitige Hilfe auf Seite 93, die Einbeziehung aller auf Seite 94 und die demokratische Selbstverwaltung auf Seite 96.

Bücher und Quellen

Dörner, K. (2007). Leben und sterben, wo ich hingehöre: Dritter Sozialraum und neues Hilfesystem. Paranus.

Früchtel, F. & Budde, W. (2006). Wie funktioniert fallunspezifische Ressourcenarbeit? Sozialraumorientierung auf der Ebene von Netzwerken. In W. Budde, F. Früchtel & W. Hinte (Hrsg.), Sozialraumorientierung. Wege zu einer veränderten Praxis (S. 201-218). VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Görres, B., & Zechert, C. (2009a). Kwartiermaken: Neue Wege zur Inklusion psychisch kranker Menschen. Soziale Psychiatrie, 33(4), 132–137.

Kessl, F. & Reutlinger, C. (Hrsg.). (2022). Sozialraum: Eine elementare Einführung. Springer.

Görres, B., & Zechert, C. (2009b). Der dritte Sozialraum als Handlungsort gemeindepsychiatrischer Organisationen: Good-Practice-Modelle aus Europa. Psychiatrie Verlag.