Theorie
Kwartiermaken
Kwartiermaken will Orte schaffen, an denen unterschiedliche Menschen willkommen sind. Dafür verändern sich auch die Umgebung und die Beziehungen im Stadtteil.
Eine gastfreundliche Umgebung
Kwartiermaken ist ein Ansatz aus den Niederlanden. Dort entwickelte sich seit den 1990er-Jahren eine Bewegung. Ihr Ziel ist eine Gesellschaft, in der auch Menschen Platz finden, die als anders wahrgenommen werden.
Es geht um die Orte, Kontakte und Beziehungen im Alltag. Ein Stadtteil soll aufnahmefähiger und gastfreundlicher werden. Menschen sollen dort Beziehungen finden und dazugehören können.
Person und Umgebung zusammen betrachten
In den Texten zur dialogischen Entscheidungsfindung und zu Kiezmachen ergänzt Kwartiermaken den Gedanken des Empowerments. Empowerment stärkt Menschen darin, selbst zu entscheiden und zu handeln.
Kwartiermaken richtet den Blick zusätzlich auf die Umgebung. Die Person muss sich nicht allein verändern oder anpassen. Auch andere Menschen, Orte und gesellschaftliche Bedingungen müssen Zugehörigkeit ermöglichen.
Für Recovery und Teilhabe bedeutet das: Ein gutes Angebot allein reicht nicht. Es braucht Arbeit an Beziehungen und an den Bedingungen des Zusammenlebens. Erst dadurch können Menschen tatsächlich willkommen sein.
Die Verbindung zu Kiezmachen
Kiezmachen ist die deutschsprachige Umsetzung dieser Richtung bei konsent.one. Sie versteht sich als Begleitung und Moderation des Zusammenlebens im Stadtteil. Dabei orientiert sie sich an Recovery, also am eigenen Weg zu einem guten Leben nach oder mit einer psychischen Krise.
Dierinck beschreibt 2023 einen Wechsel der beruflichen Rolle: Wer bisher vor allem Gesundheitsversorgung angeboten hat, kann auch Hoffnung ermöglichen. Dieser Gedanke ist im Text Beziehungen, nicht Adressen aufgegriffen.
Bücher und Quellen
Dierinck, P. (2023). Community-Based Mental Healthcare for Psychosis: From Homelessness to Recovery and Continued In-home Support. Routledge.
Görres, B., & Zechert, C. (2009a). Kwartiermaken: Neue Wege zur Inklusion psychisch kranker Menschen. Soziale Psychiatrie, 33(4), 132–137.
Kal, D. (2016). Raum für Andersartigkeit. Das niederländische Konzept Kwartiermaken und sein philosophischer Hintergrund. sozialpsychiatrische informationen, 46(2), 45–50.
Kal, D. (2022). Gastfreundschaft. Das niederländische Konzept Kwartiermaken. Psychiatrie Verlag.
