Einordnung

CHIME-Themen

CHIME fasst fünf zentrale Prozesse von persönlicher Recovery zusammen. Für die Ausarbeitung und Einordnung siehe CHIME Framework.

CHIME-Framework

Kernpunkte

  1. Connectedness (Verbundenheit) findet sich in unterstützenden Beziehungen sowohl im familiären, freundschaftlichen und beruflichen Umfeld als auch im Kontakt zu Helfer:innen. Eine zentrale Rolle im Recovery-Prozess spielen der Austausch mit anderen Betroffenen und die Einbindung in lokale und soziale Netzwerke (Bird et al., 2014, S. 647; Leamy et al., 2011, S. 448; Slade & Wallace, 2017, S. 26).

  2. Hope and optimism about the future (Hoffnung und Zuversicht) spielen bereits für Patricia Deegan eine zentrale Rolle, die beschreibt, dass in der „dunklen Nacht der Verzweiflung“ (Deegan, 1988, S. 13, eigene Übersetzung) „ein kleiner, zerbrechlicher Funke Hoffnung“ (Deegan, 1988, S. 14, eigene Übersetzung) einen Wendepunkt beschreibt. Dabei entwickeln Betroffene Veränderungsmotivation und Vertrauen in persönliche Fortschritte, schöpfen aus zwischenmenschlichen Kontakten Zuversicht und halten sich nicht an Problemen und Rückschlägen fest, sondern fokussieren sich auf Ziele und Fortschritte (Leamy et al., 2011, S. 448; Liberman & Kopelowicz, 2002, S. 247; Onken et al., 2007, S. 11).

  3. Identity (Identität) umfasst eine veränderte Selbstwahrnehmung, in der Betroffene sich nicht mehr ausschließlich als psychisch krank sehen, sondern multiple kulturelle, ethnische und sexuelle Identitäten als integralen Teil ihres Genesungsprozesses für sich stärken. Durch den Abbau von Vorurteilen und Selbstzweifeln gehen Betroffene selbstbewusst mit Stigmatisierung um und gestalten ihre eigene Identität aktiv (Bird et al., 2014, S. 648).

  4. Meaning in life (Sinn im Leben) ist eine breit angelegte Kategorie, die Aspekte wie Lebensqualität, Spiritualität, eine reflektierte Auseinandersetzung mit der eigenen Krankheitsgeschichte, sinnstiftende Tätigkeiten wie Ehrenämter und eine stabilisierende und normalisierende Alltagsgestaltung umfasst (Bird et al., 2014, S. 649; Leamy et al., 2011, S. 448).

  5. Empowerment (Handlungsbefähigung / Stärkung) ist der in der Recovery-Forschung am häufigsten genannte bzw. codierte Prozess (Bird et al., 2014, S. 649; Stuart et al., 2017, S. 299) — eine belegte Rangordnung der CHIME-Prozesse ist damit nicht verbunden: Eigeninitiative, Selbstbestimmung, Selbstmanagement und Entscheidungsfähigkeit rücken in den Vordergrund. Ein Perspektivwechsel von Sicherheitsdenken und Problemorientierung hin zu Risikobereitschaft und Stärken- sowie Ressourcenorientierung wird als hilfreich bewertet (Bird et al., 2014, S. 649–650; Knuf, 2020; Leamy et al., 2011, S. 448; Onken et al., 2007, S. 12).

Verwandte Zettel

Literatur

Bird, V., Leamy, M., Tew, J., Le Boutillier, C., Williams, J. & Slade, M. (2014). Fit for purpose? Validation of a conceptual framework for personal recovery with current mental health consumers. Australian & New Zealand Journal of Psychiatry, 48(7), 644-653. https://doi.org/10.1177/0004867413520046

Deegan, P. E. (1988). Recovery: The lived experience of rehabilitation. Psychosocial Rehabilitation Journal, 11(4), 11-19. https://doi.org/10.1037/h0099565

Leamy, M., Bird, V., Le Boutillier, C., Williams, J. & Slade, M. (2011). Conceptual framework for personal recovery in mental health: Systematic review and narrative synthesis. British Journal of Psychiatry, 199(6), 445-452. https://doi.org/10.1192/bjp.bp.110.083733

Onken, S. J., Craig, C. M., Ridgway, P., Ralph, R. O. & Cook, J. A. (2007). An analysis of the definitions and elements of recovery: A review of the literature. Psychiatric Rehabilitation Journal, 31(1), 9-22. https://doi.org/10.2975/31.1.2007.9.22

Slade, M. & Wallace, G. (2017). Recovery and mental health. In M. Slade, L. Oades & A. Jarden (Hrsg.), Wellbeing, recovery and mental health (S. 24-34). Cambridge University Press.