Einordnung
CHIME-Themen
CHIME beschreibt fünf wichtige Bereiche auf dem eigenen Weg nach einer psychischen Krise. Dazu gehören Beziehungen, Hoffnung, Identität, Sinn und Selbstbestimmung.
Was CHIME bedeutet
CHIME fasst wichtige Prozesse persönlicher Recovery zusammen. Recovery bedeutet hier: Ein Mensch entwickelt ein gutes und selbstbestimmtes Leben mit oder nach einer psychischen Krise. Die fünf Buchstaben stehen für englische Begriffe. Mehr über das Modell steht im CHIME Framework.
C: Verbundenheit
Connectedness bedeutet Verbundenheit. Unterstützende Beziehungen können in verschiedenen Lebensbereichen entstehen:
- in der Familie und im Freundeskreis,
- bei der Arbeit,
- im Kontakt mit Fachkräften, zum Beispiel in Beratung oder Therapie,
- mit Menschen, die ähnliche Krisen erlebt haben,
- in Gruppen und Netzwerken im Stadtteil.
Der Austausch unter Menschen mit ähnlichen Erfahrungen ist besonders wichtig. Auch die Zugehörigkeit zu örtlichen und sozialen Netzwerken kann auf dem eigenen Weg helfen.
H: Hoffnung und Zuversicht
Hope and optimism about the future bedeutet Hoffnung und Zuversicht für die Zukunft. Patricia Deegan beschreibt Hoffnung als einen möglichen Wendepunkt: Selbst in tiefer Verzweiflung kann ein kleiner Funke Hoffnung entstehen.
Hoffnung heißt, Veränderung für möglich zu halten. Ein Mensch kann wieder Lust bekommen, etwas zu verändern. Er kann eigenen Fortschritten mehr vertrauen. Gute Kontakte zu anderen Menschen können diese Zuversicht stärken.
Dabei richtet sich der Blick auch auf Ziele und gelungene Schritte. Schwierigkeiten und Rückschläge sollen nicht den ganzen Blick auf das Leben bestimmen.
I: Identität
Identity bedeutet Identität. Dabei geht es um die Frage: Wer bin ich? Eine psychische Erkrankung gehört vielleicht zum eigenen Leben. Sie beschreibt aber nicht die ganze Person.
Zur Identität gehören viele Seiten. Dazu zählen Kultur und Herkunft, Sexualität, Beruf, Interessen, Hobbys und persönliche Stärken. Ein Mensch kann mehrere solche Zugehörigkeiten zugleich haben.
Recovery kann helfen, sich selbst neu zu sehen. Vorurteile und Selbstzweifel können weniger Gewicht bekommen. Menschen können sich dagegen wehren, nur auf eine Diagnose reduziert zu werden. Sie gestalten ihr Selbstbild aktiv mit.
M: Sinn im Leben
Meaning in life bedeutet Sinn im Leben. Dieser Bereich umfasst vieles:
- Lebensqualität und Wohlbefinden,
- Spiritualität oder Glaube,
- das Nachdenken über die eigene Krankheits- und Lebensgeschichte,
- Tätigkeiten, die etwas bedeuten, zum Beispiel ein Ehrenamt oder ein Hobby,
- einen verlässlichen Alltag mit hilfreichen Routinen.
Ein Mensch kann so eigene Erfahrungen besser einordnen. Sinnvolle Tätigkeiten und ein stabiler Alltag können Halt geben und das Leben wieder alltäglicher werden lassen.
E: Selbstbestimmung und Handlungsmacht
Empowerment bedeutet Stärkung und Handlungsbefähigung. Ein Mensch soll eigene Entscheidungen treffen und sein Leben mitgestalten können. Dazu gehören Eigeninitiative, der Umgang mit dem eigenen Alltag und die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen.
Hilfreich kann ein anderer Blick auf die Person sein: Welche Stärken und Möglichkeiten hat sie? Welche Unterstützung steht ihr zur Verfügung? Was möchte sie ausprobieren? Wer nur Probleme sieht und jedes Risiko vermeiden will, kann Entwicklung erschweren. Mut zu eigenen Zielen und zu vertretbaren Risiken kann deshalb wichtig sein.
Empowerment wird in untersuchten Recovery-Texten besonders häufig genannt oder als Thema erfasst. Das bedeutet aber nicht, dass wissenschaftlich eine feste Rangfolge der fünf Bereiche bewiesen wäre. Aus der Häufigkeit allein folgt nicht, dass die anderen Themen weniger wichtig sind.
Bücher und Quellen
Bird, V., Leamy, M., Tew, J., Le Boutillier, C., Williams, J. & Slade, M. (2014). Fit for purpose? Validation of a conceptual framework for personal recovery with current mental health consumers. Australian & New Zealand Journal of Psychiatry, 48(7), 644-653. https://doi.org/10.1177/0004867413520046
Deegan, P. E. (1988). Recovery: The lived experience of rehabilitation. Psychosocial Rehabilitation Journal, 11(4), 11-19. https://doi.org/10.1037/h0099565
Leamy, M., Bird, V., Le Boutillier, C., Williams, J. & Slade, M. (2011). Conceptual framework for personal recovery in mental health: Systematic review and narrative synthesis. British Journal of Psychiatry, 199(6), 445-452. https://doi.org/10.1192/bjp.bp.110.083733
Onken, S. J., Craig, C. M., Ridgway, P., Ralph, R. O. & Cook, J. A. (2007). An analysis of the definitions and elements of recovery: A review of the literature. Psychiatric Rehabilitation Journal, 31(1), 9-22. https://doi.org/10.2975/31.1.2007.9.22
Slade, M. & Wallace, G. (2017). Recovery and mental health. In M. Slade, L. Oades & A. Jarden (Hrsg.), Wellbeing, recovery and mental health (S. 24-34). Cambridge University Press.
