Framework
CHIME
CHIME beschreibt fünf Bereiche, die auf dem eigenen Recovery-Weg wichtig sein können. Die Bereiche wirken zusammen und haben für jeden Menschen eine andere Bedeutung.
Ein Rahmen für persönliche Recovery
Persönliche Recovery bedeutet, einen eigenen Weg zu einem guten Leben mit oder nach einer psychischen Krise zu finden. CHIME beschreibt fünf wichtige Prozesse auf diesem Weg. Sie wurden aus Forschung zu Erfahrungen betroffener Menschen abgeleitet.
CHIME ist ein Orientierungsrahmen für Unterstützung, Praxis und Forschung. Es gehört zum größeren Konzeptionellen Recovery-Framework nach Leamy und ihrem Team von 2011.
Der Blick geht über die Frage hinaus, ob Beschwerden verschwunden sind. Die fünf Bereiche müssen nicht in einer festen Reihenfolge bearbeitet werden. Sie sind auch nicht für alle Menschen gleich wichtig.
C: Verbundenheit
Connectedness bedeutet Verbundenheit. Dazu gehören Beziehungen und das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein.
Die Übersicht nennt vier Seiten dieses Bereichs: Unterstützung durch Peers und Selbsthilfegruppen, Beziehungen, Unterstützung durch andere Menschen sowie Zugehörigkeit zur Gemeinschaft. Peers sind Menschen mit ähnlichen Erfahrungen. Austausch und gesellschaftliche Teilhabe können die Person auf ihrem Weg stärken.
H: Hoffnung und Zuversicht
Hope and optimism about the future bedeutet Hoffnung und Zuversicht für die Zukunft. Dazu gehört der Glaube, dass Genesung und Veränderung möglich sind.
Die Person kann Motivation für Veränderungen entwickeln. Beziehungen können Hoffnung geben. Auch ein Blick auf gute Möglichkeiten und die Anerkennung bereits erreichter Schritte gehören dazu.
Menschen dürfen Träume und Wünsche für die Zukunft haben. Aus ihnen können persönliche Ziele entstehen.
I: Identität
Identity bedeutet Identität. Eine Person ist mehr als ihre Diagnose. Sie kann verschiedene Seiten und Zugehörigkeiten haben.
Recovery kann helfen, ein positives Selbstbild wieder aufzubauen oder neu zu bestimmen. Dazu gehört auch der Umgang mit Stigmatisierung. Damit ist gemeint, dass Menschen wegen einer Diagnose oder einer zugeschriebenen Eigenschaft abgewertet werden. Solche Zuschreibungen sollen nicht das ganze Selbstbild bestimmen.
M: Sinn im Leben
Meaning in Life bedeutet Sinn im Leben. Dazu gehören Werte, bedeutsame Rollen und Dinge, die dem Alltag Bedeutung geben.
Die Übersicht nennt mehrere Seiten:
- Die Person setzt sich damit auseinander, was ihre Erfahrungen mit psychischer Erkrankung für sie bedeuten.
- Spiritualität kann eine Sinnquelle sein.
- Lebensqualität gehört zum guten Leben.
- Bedeutsame Rollen im eigenen und im sozialen Leben können Orientierung geben.
- Eigene Lebensziele und soziale Ziele können wichtig werden.
- Die Person kann ihr Leben nach einer Krise wieder aufbauen.
E: Selbstbestimmung und Handlungsmacht
Empowerment bedeutet, selbst entscheiden und handeln zu können. Die Person übernimmt Verantwortung für ihr eigenes Leben und gewinnt Einfluss darauf.
Der Blick richtet sich auf Stärken und auf verfügbare Unterstützung. Auch Selbstwirksamkeit ist wichtig. Das bedeutet: Ich erlebe, dass mein Handeln etwas bewirken kann.
Tabelle 1: CHIME-Framework mit den fünf Prozessen und ihren Unterkategorien. Eigene Darstellung und Übersetzung nach Leamy et al. (2011, S. 448, Tabelle 2).
Warum das Bild vom Zusammenklang passt
Das englische Wort chime kann Glockenklang, Klingen oder Zusammenklang bedeuten. Dieses Bild passt zum Modell: Die fünf Bereiche lassen sich unterscheiden. Gleichzeitig können sie gemeinsam wirken.
Recovery entsteht nicht durch das Abhaken einer Liste. Verschiedene Bereiche können gleichzeitig wichtig sein und das Leben stimmiger machen. Wenn ein Bereich zeitweise weniger Raum hat, ist damit nicht der ganze Weg gescheitert.
Auch kleine Schritte können etwas bewegen. Ein neuer Kontakt, ein Moment mit Bedeutung oder eine Erfahrung eigener Wirkung können neue Entwicklung anstoßen.
Nutzen im Gespräch
CHIME kann helfen, gemeinsam nach Stärken, Bedürfnissen und nächsten Schritten zu suchen. Das Bild vom Zusammenklang gibt dafür Orientierung. Es schreibt aber weder eine feste Reihenfolge noch eine einheitliche Vorstellung von Genesung vor.
Bücher und Quellen
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