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Einordnung

Losada Ratio (Critical Positivity Ratio)

Die Losada Ratio versprach eine genaue Zahl für das Verhältnis guter und schlechter Gefühle. Diese Zahl ist wissenschaftlich widerlegt.

Was die Losada Ratio behauptete

Barbara Fredrickson und Marcial Losada stellten 2005 eine Behauptung über Gefühle und Begegnungen auf. Menschen oder Teams würden dann aufblühen, wenn auf eine negative Erfahrung mindestens 2,9013 positive Erfahrungen kämen. Vereinfacht wurde daraus die bekannte Regel „drei zu eins“.

Sie nannten außerdem eine obere Grenze von 11,6 positiven Erfahrungen auf eine negative Erfahrung. Oberhalb dieser Grenze sollte zu viel Positives ebenfalls schaden. Losada Ratio oder Critical Positivity Ratio sind die englischen Namen für diese angeblich entscheidenden Zahlenverhältnisse.

Die Idee knüpfte an Fredricksons Broaden-and-Build-Theorie an. Diese Theorie beschreibt, wie angenehme Gefühle Möglichkeiten erweitern und längerfristig Stärken aufbauen können. Losada ergänzte dazu ein mathematisches Modell. Er nutzte sogenannte Lorenz-Gleichungen aus der Forschung zu komplexen Veränderungen.

Warum die genaue Zahl widerlegt ist

Brown, Sokal und Friedman prüften die Berechnung. Sie zeigten 2013: Die Voraussetzungen für diese Mathematik waren bei den psychologischen Daten nicht erfüllt. Die Herleitung der genauen Grenzwerte war fehlerhaft.

Auch aus Beobachtungen und Untersuchungen gibt es keinen belastbaren Beleg für eine feste Grenze, die allgemein für Menschen oder Gruppen gilt. Seit 2013 gilt die exakte Zahl deshalb als wissenschaftlich widerlegt.

Fredrickson nahm den mathematischen Teil der ursprünglichen Veröffentlichung teilweise zurück. Sie hielt aber daran fest, dass positive Gefühle grundsätzlich wichtig sind.

Der Fall zeigt ein Problem: Schwierige Mathematik kann sehr genau wirken. Diese Genauigkeit kann aber täuschen, wenn die Daten und die Voraussetzungen nicht dazu passen.

Was als grobe Orientierung bleibt

Wertschätzender Umgang und gute Rückmeldungen können Beziehungen, Teams und das eigene Wohlbefinden fördern. Dauernde Kritik kann Beziehungen beschädigen. Diese allgemeine Orientierung ist auch für Beratung und Soziale Arbeit hilfreich.

Daraus folgt jedoch keine Rechenregel. Die Aussage „Auf eine negative Rückmeldung müssen genau drei positive folgen“ ist wissenschaftlich nicht begründet. Man kann mit dieser Zahl weder die Qualität einer Beziehung noch den Erfolg einer Unterstützung zuverlässig messen.

Worauf es in der Praxis ankommt

Entscheidend ist, ob eine Rückmeldung zur Person und zur Situation passt. Dabei spielen mehrere Dinge eine Rolle:

  • die Qualität der Beziehung,
  • die konkrete Situation und ihr Zusammenhang,
  • die Verteilung von Macht,
  • die Art der Kritik oder der unangenehmen Erfahrung.

Ein ehrlicher Konflikt oder eine klare Grenze kann hilfreicher sein als künstlich gute Stimmung. Positive Gefühle bleiben wichtig. Ihr Wert lässt sich aber nicht in ein allgemeingültiges Zahlenverhältnis pressen.

Für Recovery und Soziale Arbeit bedeutet das: Eigene Entscheidungsmöglichkeiten und ehrliche Beziehungen sind wichtiger als eine feste Formel für Rückmeldungen.

Bücher und Quellen

Brown, N. J. L., Sokal, A. D. & Friedman, H. L. (2013). The complex dynamics of wishful thinking: The critical positivity ratio. American Psychologist, 68(9), 801–813. https://doi.org/10.1037/a0032850

Fredrickson, B. L. & Losada, M. F. (2005). Positive affect and the complex dynamics of human flourishing. American Psychologist, 60(7), 678–686. https://doi.org/10.1037/0003-066X.60.7.678

Fredrickson, B. L. (2013). Updated thinking on positivity ratios. American Psychologist, 68(9), 814–822. https://doi.org/10.1037/a0033584

Correction to Fredrickson and Losada (2005). (2013). American Psychologist, 68(9), 822. https://doi.org/10.1037/a0034435