Methode
Active-Constructive Responding (ACR)
Jemand erzählt dir etwas Gutes. Du hörst aufmerksam zu, fragst nach und freust dich mit.
Gute Nachrichten miteinander teilen
Active-Constructive Responding heißt auf Deutsch etwa: aktiv und aufbauend reagieren. Die Abkürzung ist ACR. Die Psychologin Shelly Gable hat dieses Konzept entwickelt. Es stammt aus der Forschung über Beziehungen und Gefühle.
Menschen erzählen anderen von schönen Erlebnissen. Das kann die Freude über das Erlebnis noch verstärken. In der Forschung heißt dieser Vorgang Capitalization.
Für eine Beziehung ist nicht nur wichtig, wie Menschen in einer Krise füreinander da sind. Auch ihre Reaktion auf gute Nachrichten zählt. Gable und ihr Forschungsteam fanden: Diese Reaktion ist mindestens ebenso wichtig für die Qualität einer Beziehung. In manchen Studien ließ sich damit sogar besser abschätzen, wie zufrieden und beständig die Beziehung später war.
Vier Arten zu reagieren
Gable unterscheidet zwei Fragen: Reagiert jemand aktiv oder eher zurückhaltend? Und unterstützt die Reaktion die Freude oder schwächt sie die Freude? Daraus entstehen vier Arten zu reagieren.
Als Beispiel erzählt eine Person ihrer Partnerin: Sie hat eine Beförderung bekommen.
Aktiv und aufbauend reagieren
Die Partnerin zeigt echte Freude und Interesse. Sie fragt nach Einzelheiten. Sie erkennt an, was die Nachricht für die andere Person bedeutet. So hilft sie, den guten Moment länger zu genießen.
Zum Beispiel: „Das ist großartig! Erzähl mir alles. Wie hast du es erfahren? Was bedeutet das für dich?“
Zurückhaltend und positiv reagieren
Die Partnerin bewertet die Nachricht zwar positiv. Sie zeigt aber wenig Interesse und fragt nicht weiter nach.
Zum Beispiel sagt sie: „Das ist schön.“ Dann wechselt sie das Thema. Ihre Worte sind freundlich. Ein aufmerksames Gespräch entsteht daraus aber nicht.
Aktiv und abwertend reagieren
Die Partnerin beschäftigt sich mit der Nachricht. Sie lenkt die Aufmerksamkeit jedoch auf Nachteile und Risiken.
Zum Beispiel: „Das bedeutet aber auch viel mehr Stress und Überstunden. Bist du sicher, dass du das willst?“
Nicht auf die Nachricht eingehen
Die Partnerin übergeht die Nachricht, wechselt das Thema oder erzählt von sich selbst.
Zum Beispiel: „Ach so. Was essen wir heute Abend?“ Oder: „Oh, das erinnert mich an meinen Urlaub …“
Im Master Resilience Training heißt dieses Verhalten Conversation Hijacker. Gemeint ist: Jemand übernimmt das Gespräch für ein anderes Thema oder für sich selbst.
Was die Forschung zeigt
In den beschriebenen Untersuchungen stärkte nur die aktive und aufbauende Reaktion die Beziehung. Die drei anderen Arten unterstützten den Aufbau von Nähe und Vertrauen nicht. Das galt auch für die zurückhaltende, aber positive Reaktion.
ACR hing mit mehreren günstigen Ergebnissen zusammen:
- Menschen waren zufriedener mit ihrer Beziehung. Sie fühlten sich näher und stärker aneinander gebunden.
- Sie vertrauten einander mehr.
- Sie unternahmen mehr schöne Dinge gemeinsam.
- Sie erlebten weniger Konflikte im Alltag.
- Sie trennten sich seltener.
In einer Laborstudie sprachen 79 Paare über gute und schlechte Erlebnisse. Zwei Monate später untersuchte das Forschungsteam, wie es den Beziehungen ging und ob sich Paare getrennt hatten. Die Reaktionen auf gute Erlebnisse halfen besser, diese Ergebnisse vorherzusagen, als die Reaktionen auf schlechte Erlebnisse.
Warum diese Reaktion helfen kann
Wer eine gute Nachricht erzählt, möchte ihre Bedeutung teilen. Eine aufmerksame und erfreute Reaktion vermittelt drei Erfahrungen:
- Die andere Person versteht mich.
- Sie nimmt mein Erleben ernst und erkennt es an.
- Ihr liegt mein Wohlergehen am Herzen.
Dadurch kann die Freude noch stärker werden als durch das ursprüngliche Erlebnis allein.
Anwendung im Alltag und in der Sozialen Arbeit
ACR lässt sich auch außerhalb einer Partnerschaft anwenden. Dazu gehören Freundschaften, Beziehungen bei der Arbeit und die Zusammenarbeit zwischen Fachkräften und unterstützten Personen.
In einer Recovery-orientierten Praxis können Fachkräfte positive Erlebnisse und Fortschritte aufmerksam aufgreifen. Sie würdigen sie und fragen weiter nach. So werden gute Erfahrungen nicht übergangen oder kleingeredet. Das kann Hoffnung und Zuversicht stärken. Diese gehören zu CHIME. Auch die Arbeitsbeziehung kann dadurch wachsen.
Aktiv und aufbauend zu antworten lässt sich üben. Beobachte dazu deine gewohnten Reaktionen. Übe bewusst, Interesse zu zeigen und nachzufragen. Mit der Zeit kann diese Art zu antworten selbstverständlich werden.
Bücher und Quellen
Gable, S. L., Gonzaga, G. C., & Strachman, A. (2006). Will you be there for me when things go right? Supportive responses to positive event disclosures. Journal of Personality and Social Psychology, 91(5), 904–917. https://doi.org/10.1037/0022-3514.91.5.904
Gable, S. L., Reis, H. T., Impett, E. A., & Asher, E. R. (2004). What do you do when things go right? The intrapersonal and interpersonal benefits of sharing positive events. Journal of Personality and Social Psychology, 87(2), 228–245. https://doi.org/10.1037/0022-3514.87.2.228
