Aktivität
Mettā
Bei Mettā richtest du freundliche Wünsche an dich selbst und andere. Du musst dabei nichts Bestimmtes fühlen und kannst jederzeit aufhören.
Vier freundliche Wünsche
Nimm dir einen kurzen Moment Zeit. Richte deine Aufmerksamkeit auf dich selbst.
Du musst kein bestimmtes Gefühl herstellen. Wiederhole langsam diese Wünsche:
- Möge ich sicher sein.
- Möge ich gesund sein.
- Möge ich glücklich sein.
- Möge ich mit Leichtigkeit leben.
Nimm wahr, was dabei in dir auftaucht. Wenn deine Gedanken abschweifen, kannst du wieder zu den Sätzen zurückkehren.
Am Ende kannst du dich fragen: Welcher Wunsch ist heute für mich besonders wichtig?
Zwei bis fünf Minuten
In dieser Form dauert die Übung etwa zwei bis fünf Minuten.
Du brauchst kein Material, keinen besonderen Ort und keine Vorkenntnisse.
Vielleicht fällt es dir schwer, dir selbst freundlich zu begegnen. Dann kannst du mit einem kleinen Schritt beginnen. Du kannst auch zuerst einer anderen Person Gutes wünschen.
Woher Mettā kommt
Mettā ist ein Wort aus der Sprache Pali. Es bedeutet liebende Güte oder Freundlichkeit.
Die Übung gehört zu den ältesten Übungen der buddhistischen Tradition. Heute wird sie auch in Achtsamkeitsangeboten ohne religiöse Bindung genutzt. Dort heißt sie oft Loving-Kindness-Meditation.
Eine frei zugängliche Fassung bietet zum Beispiel das Greater Good Science Center der University of California in Berkeley an. Auch im MBSR-Programm gehört die Übung zum Angebot.
Eine freundliche Haltung üben
Mettā soll Gefühle nicht erzwingen. Du sprichst Wünsche aus. Es ist in Ordnung, wenn dabei nicht sofort Wärme oder Freude entsteht.
Die Haltung dahinter ist: Begegne dir in einem schwierigen Moment ähnlich freundlich, wie du einem nahestehenden Menschen begegnen würdest.
Bedeutung in der Sozialen Arbeit
Viele Menschen mit psychiatrischen Diagnosen haben Beschämung erlebt. Manche haben negative Vorurteile über sich selbst übernommen. Oft gehen sie hart mit sich um.
Freundliche Wünsche können eine andere Richtung eröffnen. Dazu gehören Selbstmitgefühl und Selbstfürsorge: sich selbst verständnisvoll behandeln und gut für sich sorgen.
Im CHIME-Rahmen berührt Mettā besonders Verbundenheit und Hoffnung. Sie kann auch zu einem freundlicheren Selbstverständnis beitragen, das über die Diagnose hinausgeht.
Eine Pause für Fachkräfte
Die kurze Übung kann auch in kleine Lücken des Arbeitstags passen. Zum Beispiel vor einem schwierigen Gespräch, nach einer belastenden Situation oder am Tagesende.
Empathie und Mitgefühl sind dabei nicht dasselbe. Empathie bedeutet, das Erleben anderer wahrzunehmen oder nachzuempfinden. Mitgefühl verbindet die Wahrnehmung von Leid mit Wärme und Freundlichkeit. Dazu kommt der Wunsch, gut für sich und andere zu sorgen.
Freiwilligkeit und Grenzen
Die Übung ist freiwillig.
Bei manchen Menschen lösen freundliche Worte an sich selbst zunächst Widerstand, Traurigkeit oder alte Schmerzen aus. Dann braucht es kleine Schritte und einen sicheren Rahmen.
Du kannst jederzeit aussteigen. Mettā ersetzt keine psychotherapeutische Behandlung.
Bücher und Quellen
Cheng, D. Y. T., Young, D. K. W., Carlbring, P., Ng, P. Y. N. & Hung, S. S. L. (2023). Facilitating personal recovery through mindfulness-based intervention among people with mental illness. Research on Social Work Practice, 33(8), 827–848. https://doi.org/10.1177/10497315221137137
Cheng, Y. T. D., Young, K. W. D., Carlbring, P., Ng, Y. N. & Hung, S. L. S. (2024). A pilot randomized controlled trial among people recovering from mental illness: A tailored mindfulness-based intervention versus relaxation training. Journal of Evidence-Based Social Work, 21(3), 318–348. https://doi.org/10.1080/26408066.2023.2281418
Fredrickson, B. L., Cohn, M. A., Coffey, K. A., Pek, J. & Finkel, S. M. (2008). Open hearts build lives: Positive emotions, induced through loving-kindness meditation, build consequential personal resources. Journal of Personality and Social Psychology, 95(5), 1045–1062. https://doi.org/10.1037/a0013262
Greater Good in Action. (o. J.). Loving-kindness meditation. Greater Good Science Center, University of California, Berkeley. https://ggia.berkeley.edu/practice/loving_kindness_meditation
Kabat-Zinn, J. (2013). Full catastrophe living: Using the wisdom of your body and mind to face stress, pain, and illness (2. Aufl.). Bantam Books.
Nhat Hanh, T. (2007). Teachings on love (rev. Aufl.). Parallax Press.
Singer, T. & Bolz, M. (Hrsg.). (2013). Mitgefühl. In Alltag und Forschung. Max-Planck-Gesellschaft. http://www.compassion-training.org
