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Begriff

Multiple Identitäten

Menschen gehören zu verschiedenen Gruppen und haben viele Seiten. Keine einzelne Zugehörigkeit beschreibt einen Menschen vollständig.

Viele Zugehörigkeiten gleichzeitig

„Multiple Identitäten“ bedeutet hier: Ein Mensch hat mehrere Zugehörigkeiten und verschiedene Vorstellungen von sich selbst. Der Begriff wird in diesem Zettel im Sinn von Amartya Sen verwendet.

Zum Selbstbild können Beruf, Sprache, Religion und politische Überzeugungen gehören. Auch Beziehungen, Interessen und unterschiedliche Rollen sind wichtig. Eine Person kann zum Beispiel Mutter, Musikerin, Nachbarin und gläubig sein.

Welche Seite gerade wichtig ist, kann sich von Situation zu Situation ändern. Das ist nicht für immer festgelegt.

Menschen nicht auf eine Gruppe reduzieren

In seinem Buch „Die Identitätsfalle“ kritisiert Sen eine verbreitete Vorstellung: Ein Mensch lasse sich eindeutig einer einzigen Kultur, Religion oder Nation zuordnen.

Wenn nur eine Zugehörigkeit gelten soll, werden andere Seiten unsichtbar. Auch Gemeinsamkeiten mit anderen Menschen und eigene Wahlmöglichkeiten verschwinden aus dem Blick. Sen verbindet diese Kritik mit der Frage, wie Ausgrenzung und Gewalt entstehen.

Menschen sollen ihre verschiedenen Bindungen bedenken können. Sie sollen begründet entscheiden können, welche Bedeutung diese Bindungen für sie haben. Niemand soll ihnen von außen eine einzige Identität aufzwingen, die alles bestimmt.

Die Verbindung zu Recovery

Im CHIMEplus-Text von konsent.one wird dieser Gedanke auf Recovery übertragen. Recovery meint den eigenen Weg zu einem guten Leben nach oder mit seelischen Belastungen.

Ein Mensch kann eine psychische Erkrankung erlebt haben und zugleich Angehörige, Freundin, Handwerkerin oder politisch engagiert sein. Seine Geschichte umfasst mehr als die Rolle, unter der eine Hilfeeinrichtung ihn kennt.

Das ist eine Übertragung auf Recovery. Sens eigenes Argument richtet sich auf die gesellschaftliche und politische Bedeutung vielfältiger Zugehörigkeiten.

Für die Unterstützung bedeutet die Übertragung: Die Selbstbeschreibung einer Person ernst nehmen. Raum für verschiedene Rollen, Beziehungen und Interessen lassen. Die Diagnose soll nicht die ganze Person festlegen.

Bücher und Quellen

Sen, A. (2014). Justice and identity. Economics & Philosophy, 30(1), 1–10. https://doi.org/10.1017/S0266267114000017

Sen, A. (2020). Die Identitätsfalle: Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt (4. Aufl.). C. H. Beck.