Methode

Welcome Basket

Herkunft

Das Welcome Basket Project wurde in den 1990er-Jahren in Connecticut von Psychiatrie-Erfahrenen für Psychiatrie-Erfahrene entwickelt und unter dem Titel „Consumers Reaching Out to Consumers“ beschrieben (Weingarten et al., 2000). Die Grundidee ist bewusst schlicht: Nicht ein Programm empfängt den Menschen zu Hause, sondern ein Mensch — und ein Korb mit Dingen, die Ankommen erleichtern.

Zwei Bestandteile

Der Ansatz besteht aus zwei Teilen, die zusammengehören:

  1. Der Korb. Kurz vor der Entlassung erhält die Person von Peers einen Willkommenskorb für den Übergang in die eigene Häuslichkeit: Hygieneartikel, Lebensmittel, ein Verzeichnis wichtiger Kontakte, dazu persönlich Bedeutsames wie Fotos, Musik, bequeme Kleidung oder ein selbst geschriebener Brief.
  2. Die Begleitung. Nach der Entlassung bleiben eigens dafür geschulte Peers über mehrere Wochen bis Monate niedrigschwellig in Kontakt (Kidd et al., 2021, S. 215; Weingarten et al., 2000).

Der Korb ohne die Begleitung ist eine Geste; die Begleitung ohne den Korb ist gewöhnliche Peer-Arbeit. Beschrieben ist die Kombination.

Evidenzlage

Der Welcome Basket ist kein wirksamkeitsbelegtes Programm. Die bislang einzige randomisierte Studie (Phase 2, n = 110, Menschen mit Schizophrenie-Spektrum-Diagnosen beim Übergang von der Klinik in die Gemeinde) fand keine Überlegenheit gegenüber der Regelversorgung — weder beim primären Outcome (Funktionsniveau in der Gemeinde) noch bei Symptomatik, Community Integration, persönlicher Recovery, Lebensqualität oder sozialer Unterstützung. Die Intervention erwies sich als machbar und wurde angenommen, mehr lässt sich aus der Studie nicht ableiten (Kidd et al., 2021).

Aus derselben Kohorte stammt ein Befund, der für die Nachsorge relevanter ist als die Intervention selbst: Für persönliche Recovery in der Zeit nach der Entlassung sind Einbindung in die Gemeinde und soziale Unterstützung bedeutsam (Mutschler et al., 2022).

Wer den Welcome Basket empfiehlt, sollte ihn deshalb nicht als evidenzbasierte Maßnahme zur Senkung von Wiederaufnahmen darstellen. Diese Behauptung ist verbreitet, aber durch die vorliegende Studienlage nicht gedeckt.

Einordnung für die Praxis

Was den Welcome Basket trägt, ist nicht seine Wirksamkeitsbilanz, sondern seine Haltung: Jemand hat an den Moment des Nachhausekommens gedacht. Das gehört zu den schlichten Aktivitäten, deren Bedeutung Betroffene selbst beschreiben, und passt zum Grundsatz „Alltag zuerst“ (siehe Alltag).

Drei Punkte machen den Unterschied:

  • Selbst zusammengestellt statt verordnet. Der Korb gehört der Person. Am besten wird er vorher gemeinsam geplant — dann ist er auch dann noch da, wenn niemand ihn packt.
  • Vor der Entlassung, nicht danach. Der Übergang ist die kritische Stelle (siehe Notfall und Krise).
  • Der Kontakt ist der eigentliche Teil. Ein Korb ohne verlässliche Ansprechbarkeit bleibt Dekoration (siehe Verbundenheit).

Abgrenzung

Der Welcome Basket ist kein Krisenplan und kein Nachsorgeplan. Er ersetzt weder WRAP noch die Nachsorgephase des Recovery-Kompasses, sondern besetzt darin einen einzelnen, gut umsetzbaren Baustein.

Verwandte Zettel

Literatur

Kidd, S. A., Mutschler, C., Lichtenstein, S., Yan, S., Virdee, G., Blair, F., Mihalakakos, G., McKinney, C., Collins, A., Guimond, T., George, T. P., Davidson, L., Velligan, D., & Voineskos, A. (2021). Randomized trial of a brief peer support intervention for individuals with schizophrenia transitioning from hospital to community. Schizophrenia Research, 231, 214–220. https://doi.org/10.1016/j.schres.2021.03.019

Mutschler, C., Lichtenstein, S., Yan, S., Blair, F., Davidson, L., Mihalakakos, G., & Kidd, S. A. (2022). Personal recovery in the postdischarge period for individuals with schizophrenia spectrum diagnoses: The role of community integration and social support. Psychiatric Rehabilitation Journal, 45(2), 176–182. https://doi.org/10.1037/prj0000513

Weingarten, R., Chinman, M., Tworkowski, S., Stayner, D., & Davidson, L. (2000). The Welcome Basket Project: Consumers reaching out to consumers. Psychiatric Rehabilitation Journal, 24, 65–68. https://doi.org/10.1037/h0095121