Methode
Welcome Basket
Ein Welcome Basket ist ein persönlicher Willkommenskorb für die Rückkehr aus der Klinik. Dazu gehört verlässlicher Kontakt mit Menschen, die eigene Psychiatrieerfahrung haben.
Ein Willkommen nach der Klinik
Das Welcome Basket Project entstand in den 1990er-Jahren in Connecticut. Menschen mit Psychiatrieerfahrung entwickelten es für andere Menschen mit Psychiatrieerfahrung. Ein Bericht von 2000 beschreibt es als „Consumers Reaching Out to Consumers“.
Die Idee ist einfach: Zu Hause wartet nicht nur ein Programm. Ein Mensch hat an das Ankommen gedacht. Ein Korb mit passenden Dingen hilft dabei.
Korb und Begleitung gehören zusammen
Kurz vor der Entlassung bekommt die Person von Peers einen Willkommenskorb. Peers sind Menschen mit eigener Psychiatrieerfahrung, die andere unterstützen.
Der Korb kann Dinge für den Alltag enthalten: Hygieneartikel, Lebensmittel und wichtige Kontakte. Dazu kommt persönlich Bedeutsames. Das können Fotos, Musik, bequeme Kleidung oder ein selbst geschriebener Brief sein. Auch eine Lieblingstasse kann dazugehören.
Der zweite Teil ist die Begleitung. Dafür geschulte Peers bleiben nach der Entlassung über mehrere Wochen bis Monate in Kontakt. Der Zugang zu ihnen soll einfach sein.
Ein Korb allein ist eine freundliche Geste. Begleitung allein ist gewöhnliche Peer-Arbeit. Beim Welcome Basket ist gerade die Verbindung beider Teile gemeint.
Was die Studie zeigt und was nicht
Der Welcome Basket ist kein Programm mit nachgewiesener Wirksamkeit.
Die bisher einzige Studie mit zufälliger Zuteilung zu Gruppen war eine Phase-2-Studie. Es nahmen 110 Menschen mit Diagnosen aus dem Schizophrenie-Spektrum teil. Sie wechselten gerade von der Klinik zurück ins Gemeinwesen.
Die Studie von Kidd und anderen aus dem Jahr 2021 fand keine Überlegenheit gegenüber der üblichen Versorgung.
Das galt für das wichtigste untersuchte Ergebnis: wie gut die Menschen im Alltag im Gemeinwesen zurechtkamen. Es galt auch für Krankheitszeichen, Einbindung in die Gemeinde, persönliche Recovery, Lebensqualität und soziale Unterstützung.
Das Angebot ließ sich durchführen und wurde angenommen. Mehr lässt sich aus dieser Studie nicht ableiten.
Was für die Zeit nach der Entlassung wichtig ist
Eine weitere Untersuchung mit derselben Gruppe stammt von Mutschler und anderen aus dem Jahr 2022. Sie zeigt die Bedeutung von sozialer Unterstützung und Einbindung in die Gemeinde für persönliche Recovery nach der Entlassung.
Man sollte den Welcome Basket deshalb nicht als wissenschaftlich belegte Maßnahme gegen erneute Klinikaufnahmen empfehlen. Die vorhandenen Studien stützen diese verbreitete Behauptung nicht.
Die Haltung hinter dem Angebot
Wichtig ist die Botschaft: Jemand hat an mein Nachhausekommen gedacht.
Das passt zu den schlichten Aktivitäten, deren Bedeutung Betroffene selbst beschreiben. Es passt auch zum Grundsatz „Alltag zuerst“, siehe Alltag.
Drei Dinge machen den Unterschied:
- Die Person bestimmt den Inhalt mit. Der Korb gehört ihr und wird nicht verordnet. Am besten wird er schon vorher gemeinsam geplant.
- Die Vorbereitung geschieht vor der Entlassung. Der Übergang nach Hause ist besonders wichtig. Dazu gehören auch die Themen Notfall und Krise.
- Der Kontakt muss verlässlich bleiben. Ein Korb allein ersetzt keine ansprechbare Person. Dazu passt der Begriff Verbundenheit.
Was der Welcome Basket nicht ersetzt
Er ist kein Krisenplan und kein Plan für die ganze Nachsorge.
Er ersetzt weder WRAP noch die Nachsorge im Recovery-Kompass. Er kann darin ein einzelner, gut umsetzbarer Baustein sein.
Bücher und Quellen
Kidd, S. A., Mutschler, C., Lichtenstein, S., Yan, S., Virdee, G., Blair, F., Mihalakakos, G., McKinney, C., Collins, A., Guimond, T., George, T. P., Davidson, L., Velligan, D., & Voineskos, A. (2021). Randomized trial of a brief peer support intervention for individuals with schizophrenia transitioning from hospital to community. Schizophrenia Research, 231, 214–220. https://doi.org/10.1016/j.schres.2021.03.019
Mutschler, C., Lichtenstein, S., Yan, S., Blair, F., Davidson, L., Mihalakakos, G., & Kidd, S. A. (2022). Personal recovery in the postdischarge period for individuals with schizophrenia spectrum diagnoses: The role of community integration and social support. Psychiatric Rehabilitation Journal, 45(2), 176–182. https://doi.org/10.1037/prj0000513
Weingarten, R., Chinman, M., Tworkowski, S., Stayner, D., & Davidson, L. (2000). The Welcome Basket Project: Consumers reaching out to consumers. Psychiatric Rehabilitation Journal, 24, 65–68. https://doi.org/10.1037/h0095121
